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woraus sich die abweichende Länge der Leiche ertlären läßt." Nur höchst aus-nahmsweise hat ein Dichter durch Wiederholung der Form etwas Festes aus-gedrückt, z. B. der Rolenburger, der einen Minneleich und einen Maria-leich ganz gleichmäßig gebaut hat.
2. Der Strophenbau der Leiche, welche meist die ältesten unmittelbargebundenen Reime (riinos plusiss) hatten, war insosern nicht kunstlos, alsihre ungleichmäßigen Strophen aus verschiedenen Systemen (Reim-reihen) bestanden, in welchen ebenso wie in ihren Unterabteilungen (Reimsätzen)die Zweiteiligkeit durch Wiederholung der melodischen Sätze vorherrschte, wobeijedoch gewöhnlich ein dreiteiliger Schluß solche. Die Kunstgewandtheit desDichters tritt auch dadurch hervor, daß öfters die früher schon gebrauchtenSysteme wieder aufgenommen wurden und ganze Systemgruppen sich wieder-holten, ja, daß zuweilen das ganze Gedicht in zwei analog konstruierte größereAbsätze zerfiel.
3. Über Wesen und Namen der Leiche ist von Gelehrten verschiedengeuneilt worden. Vgl. z. B. Lachmann im Rhein. Mus. III. 426; Ravaliöre;Westphal; I. Grimm; Bartsch in Teutsche Liederdichter des 12. bis 14. Jahrh.1679. S. 29 w.
Grimm verwirft die Ableitung des Leich von Lied, Liod, Isnclns wegendes in dieser Wurzel charakteristischen cl oder b, dann aber weil die Dichterdes 13. Jahrh. unter Leich etwas Anderes verstanden als unter Lied. Ihmist das si in der Wurzel charakteristisch; daher ist ihm die einzig richtigeEtymologie im goth. lüilcun (schweb. Islcu, isländ. lsilcn) ^ spielen gegeben.
Mit dem althochd. Verbum laielcsn — leichen ist das Isecurs derromanischen Sprachen verwandt, chseoutor und Iselreonr ist Spielmann.Daraus folgt, daß Leich — wie erwähnt — eben nicht aus dem Französi-schen stammt, sondern ein längst übliches deutsches Wort ist,das einen durch ein Instrument begleiteten frei gebauten Gesangbedeutet. Die Nibelungen unterschieden das Lietsingen (v. 6835) vomLeichspielen (v. 8085. 8115). Mehrere Minnesinger haben sich beim Vor-trug ihrer Leiche der Instrumente bedient, z. B. Walther (I. 112) der Harfe;der Unverzagte und Neinmar der Fiedler der Geige :c.
4. Nachweislich sind die in ihren rasch wechselnden Bewegungen undhoch auf- und absteigenden Tonläufen des begleitenden Saitenspiels einher-lchreitenden Leiche die ältesten Verbindungen des volksmäßigen Sanges mitdem Kirchengesange. Sie stammen nämlich aus der Kirchenmusik, und zwaraus den Sequenzen. Dieses waren ursprünglich textlose Melodien (Jubel-modulationen), die in der Messe dem Hallelujah unmittelbar folgten und das-selbe durch verschiedene Modulationen hindehnten oder fortsetzten. Seit Mittedes 9. Jahrh, legte man ihnen nach dem Vorgänge des Abtes Notker vonSt. Gallen (830—912) Texte unter. (Vgl. Wolf über Lais, Sequenzenund Leiche. Heidelbg. 1841.) In Übereinstimmung damit sagt W. Wacker-nagel (vgl. Die Verdienste der Schweizer um die deutsche Litter. Basel 1833.p 11): ..Gleich zu Anfange, noch geraume Zeit vor 1190, sehen wir eine