653
Es sollt ein Mädlein waschen gan,
Ihr Hemdlein weiß, ihr Äuglein klar;
Sie hört einen Reuter singen.
Sie winket ihm mit ihrer schneeweißen Hand,
Daß er ihr hülse auswinden, ja winden.
(Aus Görres' Volksliedern S. 190.)
tz 203. S'echsMige Strophen.
Die sechszeilige Strophe kommt noch weit häufiger vor als diefünfzeilige. Sie ist entweder dreigliedrig oder zweigliedrig symmetrischoder zweigliedrig unsymmetrisch; z. B.:
u. Dreigliedrig symmetrisch. (2 -s- 2 -f- 2 .)
Mein Köhler, der du deinen MeilerSchürst gegenüber unserm Weiler!
Wenn nicht der Wind sich bald wird drehen,
So müssen wir im Qualm vergehen,
Wie kannst du in der Näh' ertragen,
Worüber wir, die fernen, klagen?
b. Zweigliedrig symmetrisch. (3 -j- 3.)
Auch darin gleichtDer Liebeskönigin, der Rose,
Die Traube:
Es nimmt so leichtAuch sie die Zeit, die schonungslose,
Zum Raube.
0 . Zweigliedrig unsymmetrisch.
a. Alle Liederkehlen,
Alle LiederseelenSind in meinem MundUnd im Herzensgrund; jjDaß mir's keine Stund'
An Gesang kann fehlen.
b. So viel Stern am Himmel stehen,
' So viel Schäflein als da gehenIn dem grünen, grünen Feld,
So viel Vöglein als da fliegen,
Als da hin und wider fliegen,:
Sovielmal sei du gegrüßt. (Wunderhorn II. 199.)
Schiller hat bei seinen sechszeiligen Strophen am liebsten die dreigliedrigeGruppierung angewandt, z. B. im Alpenjäger, in den vier Weltaltern, imReiterliede, dessen Rhythmus mehrfach nachgeahmt wurde (z. B. von Rückert
(Rückert.)
(Rückert.)
(Rückert.)