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Thräne sei, als wäre unter ihnen der Schmerz ein Fremdling? — O prahltnur, wallende Federn, wehende Fächer, schwellende Busen, auf denen Demantenblitzen! — Und wie das lacht und schwatzt und lustig ist, als sei die Ewigkeitein Traum und das Glück eine gefesselte Magd! — Und doch tanzt diesesganze Geschlecht auf seinem Grabe, und doch ist so manches Lächeln erlogen,erzwungen; unter jenen seidenen Gewändern schlägt ein gemartertes, wimmerndesHerz, unter diesen Sternen windet sich ein falsches, treuloses und gequältesGewissen, Schon seh' ich den geheimnisvollen Finger, der das Nsus tskslan die Wand schreibt, und ein schattenhaftes Gespenst, das durch die Gruppenschreitet und bald auf diese, bald auf jene Stirn, wie sorglos sie noch heuteglänzen mag, das Siegel des Verhängnisses drücken wird." — (Als weiteresBeispiel des sentimentalen Stils vgl. Bornes bekannte Denkrede auf Jean Paul.)
IV. Dramatik.
tz 20. Begriff der Dramatik.
1. Die dramatische Pvesie (von — Handlung) ist die
Poesie des Thuns oder der werdenden Handlung. Ihr Zweck ist dieDarstellung von etwas Geschehendem in mimisch und dialogisch han-delnder Form; ihre Absicht: Darstellung der Leidenschaft, die zurThat fortreißt, Darstellung jener starken Seelenbewegungen und innerenKämpfe, die der Mensch vom ersten Regen der Empfindung bis zumleidenschaftlichen Handeln durchmacht, oder auch die das Handelnanderer in ihm hervorruft.
2. Die dramatische Poesie soll das wirkliche Leben in seinenerhabensten, entzückendsten Gestalten, in seinen ergreifendsten, reiz-vollsten Weisen, durch Schönheit verklärt und durch Harmonie ver-bunden, poetisch vorführen.
3. Auf die aus Poesie und Mimik gemischte Darstellung derdramatischen Poesie ist unsere Bezeichnung „Spiel" mit seinen Zusammen-setzungen (Lustspiel, Schauspiel, Trauerspiel, Singspiel rc.) zu beziehen.
4. Das Skelet des dramatischen Körpers ist das, was mit denAugen gesehen werden kann, was aus der Bühne (Scene) vorgeht.Das gesprochene Wort trägt für die Ausschmückung Sorge.
1. Durch die Darstellung einer sich entwickelnden Handlung oder einerKette von Handlungen unterscheidet sich die dramatische Poesie wesentlich vonder epischen, welche Geschehenes, Thaten, Begebenheiten erzählt, oder demErzähler in den Mund legt. Ebenso unterscheidet sie sich durch die handelndeForm von der lyrischen Poesie, welche lediglich die innern Zustände (Gefühleund Empfindungen) schildert und besingt. In ihrer sich selbst entrollendenHandlung ist die dramatische Poesie die Poesie des in Bewegung be-griffenen Werdens, während die Lyrik als Ausdruck innerer Zustände