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tz 68. ZLyllisches Lied.
Das idyllische Lied ist der Gegensatz des elegischen. Sein Charakterist heitere, frohe, hoffnungsreiche Stimmung.
Schiller sagt: „Setzt der Dichter die Natur der Kunst und das Ideal derWirklichkeit so entgegen, daß die Darstellung des ersten überwiegt und dasWohlgefallen an demselben herrschende Empfindung wird, so nenne ich ihnelegisch." Er fügt dann hinzu: „Entweder ist die Natur und das Ideal einGegenstand der Trauer, wenn jene als verloren, dieses als unerreicht dar-gestellt wird. Oder beide sind ein Gegenstand der Freude, indem sie als wirk-lich vorgestellt werden." Somit unterscheidet Schiller je nach dem Unterschiedin der Empfindungsweise zwischen elegischem und idyllischem Liede. In derThat ist das idyllische Lied der Gegensatz des elegischen, insofern das subjektiveEmpfinden die Freude an der Natur mit so schönen Farben malt, daß dasGefühl eines Gegensatzes zwischen Natur und Ideal in uns gar nicht Platzgreifen kann. Das idyllische Lied gestattet keinen Blick aus den Unbestand desSeienden, sondern lediglich den Blick auf jene freudigen Gefilde, welche derschönen Zukunft entblühen. Ihm ist z. B. der Winter die Voraussetzung desFrühlings, der Tod bringt ihm das Wiedersehen, der Schmerz die Freude.
Beispiele des idyllischen Liedes.
Frühlingsahnung, von Uhland.
O sanfter, süßer Hauch!
Schon weckest du wieder
Mir Frühlingslieder.
Bald blühen die Veilchen auch.
Morgenlied, von P. A. Wolf.
Die Sonn' erwacht!
Mit ihrer Pracht
Erfüllt sie die Berge, das Thal;
O Morgenluft!
O Waldesduft!
O goldener Sonnenstrahl!
Mit Sing und Klang'
Die Welt entlang!
Wir fragen woher nicht, wohin.
Es treibt uns fort
Von Ort' zu Ort'
Mit freiem, mit fröhlichem Sinn' rc.
Er ist's! von E. Mörike.
Frühling läßt sein blaues BandWieder flattern durch die Lüfte,
Süße, wohlbekannte DüfteStreifen ahnungsvoll das Land.