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besingen. Die Erhabenheit des Inhalts macht es unmöglich, daß der Dichterden Inhalt in sich hineinziehe und in sein eigenes Gefühlsleben umsetze, viel-mehr singt der in seinem Innersten tiefbewegte Lyriker aus sich heraus, zuseinem erhabenen Gegenstände empor. Die Lyrik der Ode ist eben keine kon-templativ beschauliche ruhige Empfindung, sondern begeisterte Bewunderung. Soumschlingen sich in der Ode Subjektivität und Objektivität. Dies ist freilichauch in der Hymne der Fall, aber man schränkt füglich den Begriff Ode ein,indem man unter Ode nur diejenigen Gedichte versteht, welche mit höhererBegeisterung Menschen und Personifikationen feiern: da wo ihr Gegenstand dasAllerhöchste — selbst die Gottheit — ist, nennt man die Ode Hymne (ß 73).Gervinus sagt, was Minckwitz bestreitet: „Die Ode widersetzt sich und wider-strebt allen logischen verständigen Grenzen und jeder Regel, die eine bestimmteOrdnung da vorschreiben will, wo der regellose Affekt allein Gesetzgeber seinsoll, der vor jedem Gegenstand anders thätig ist, wo sich eine Empfindung, einGefühl aus sich selbst und nach seinem eigenen Gesetz zu einem oft sehr gesetzloserscheinenden Tonstück formen will."
Und doch muß — bei allen Ausschreitungen der Phantasie — in derOde eine bestimmte Idee regelvoll hervortreten, welche versöhnt, und die imMetaphernschmuck prangende Ode znr Blüte der Lyrik erhebt.
Bei der Konzeption der Ode übt die Phantasie eine hervorragende Thätig-keit, sie versetzt — nach Wackernagel — die Anschauung in's Gebiet des Er-habenen, wo der Verstand nicht mehr der Phantasie nachmißt und nachrechnet.Gefährlich ist die willkürliche Idealisierung irdischer Wirklichkeit,' hier wird dieÜberwirklichung der gemeinen Wahrheit nur zu leicht eine Übertreibung und eineLüge, die Schöpfungen der Phantasie können dem Verstände leicht so unnützund ungeschickt vorkommen, daß er sich nicht gefangen giebt, sondern im Wider-sprüche verharrt, wo dann an die Stelle der Erhabenheit, auf welche derDichter ausging, die bloße Lächerlichkeit (nach Minckwitz' Mittheilung anden Verfasser auch Humor) tritt, wo also nach dem bekannten WorteNapoleons vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist. Darum stehendie hebräischen Psalmisten und steht Älopstock soviel höher als irgend ein andrerOdendichter, weil das epische Element ihrer Oden Gott und göttliche Dingesind (bei Klopstock wenigstens vorzüglich Gott und göttliche Dinge): darumgerät auf der anderen Seite Namler so oft in's Lächerliche (Prosaische), weil erauch da, wo die Wirklichkeit an sich selbst schon groß und erhaben genug wäre(z. B. wo er Friedrich II. besingt), dennoch mit dem Gegebenen nicht zufriedenist, sondern immer noch höher und drüber hinaus möchte. Darum befremdetRamlers und vieler Andrer Muster: Horaz durch Humoristik und jene gesuchtenKühnheiten im Gange der Entwickelung, die zuletzt nur wie ein Schrauben-werk erscheinen, um den Gegenstand über sich selbst zu erheben.
2. Klopstock gab der deutschen Ode ihren eigentlichen Charakter durchErhabenheit der Bilder, schwungvolle feierliche Sprache, eigenartige Strophik u. a.Nach Klopstocks Vorgang hat man sich zur Ode meist antiker Maße bedient,die unserem deutschen Ohre oft wenig zusagen. Indem man die Griechen nach-