Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Was vor uns steht im Taglicht der Erkenntnis,

Fühltest du leis durch deine Träume wallen;

Was unser Geist erkämpfte dem Verständnis,

Ist dir als Spielzeug in den Schoß gefallen.

In dir auch wachte mächtig aus ein AhnenVom Gott, der in der Brust des Menschen wohne,

Und deine Weisen folgten froh den BahnenDes Sterns, zum neugebornen Menschensohne.

Sie boten fromm ihm Weihrauch, Gold und MyrrhenUnd beugten ihre Knie' dem Lichtgedanken,

Bis sie, heimkehrend auf des Weges Irren,

Vergessend in ihr altes Träumen sanken. —

Doch was dich einst durchzuckt mit Blitzesschnelle,

Das wird aufs neue deine Völker wecken,

Und Gottbewußtsein, heiter, frei und helle,

Durchwandelt siegend deine Länderstrecken.

Dann werden deine goldncn TranmesschätzeDes Westens Geiste dargebracht als Gabe,

Daß Mannesgeist an Blntenhauch sich letze,

Und Kindessinn an reifer Frucht sich labe.

(Das Laienevangelinm ist aus 131 solcher wirklichen Lehrgedichte zusammen-gesetzt. Ein Prolog leitet es ein. Darauf folgen die Lehrgedichte: Im Anfangwar das Wort. Die Geschlechtsregister. Maria Verkündigung. Simeon. DieWeisen aus dem Morgenland und sodann alle jene Abschnitte aus Jesu Leben,welche uns das Evangelium bietet bis zur Himmelfahrt. Ein Epilog schließtdas große Lehrgedicht. Das Ganze erstrebt eine Art Wiedergeburt des Christen-tums im modernen Sinn.)

Litteratur des großen Lehrgedichts.

Von den Alten lieferten didaktische Gedichte: Empedokles (über die Natur);Hesiod (Werke und Tage, vgl. S. 21 d. Bds.); Virgil (der bedeutendsteDidaktiker: „vom Landbaue"; es besteht aus vier Büchern: 1. Ackerbau, 2. Baum-zucht, 3. Viehzucht und 4. Bienenzucht, ist überhaupt das beste, was dasAltertum bietet); Ovid (urs amairäi, übersetzt von Pernice und F. Äatsch,Leipz. 1881, vgl. § 86 d. Bds.); Lucretius (äs rornw uutriiu); Horaz.Ferner die Neulateiner: Vida (Seideuzucht); Milio (Gartenbau); die Italiener:Vavasone (über die Jagd); Duchi (über Schachspiel); die Franzosen: LouisRacine (über die Religion); Castel (über die Pflanzen); Boileau (die Kunstzu dichten); die Engländer: Buckingham (über Dichtkunst): Pope (über denMenschen); Aoung (über die Kraft der Religion, sowie die ergreifenden, Todund Unsterblichkeit behandelnden „Nachtgedanken" dieses Dichters, übersetzt vonBenzel-Sternau). Von Deutschen sind zu nennen: Ringwald (geb. 1531:Christliche Warnung des treuen Eckarts, oder die lautere Wahrheit, die sagt,wie ein weltlicher und geistlicher Krieger sich zu verhalten haben); Opitz(Zlatna oder von der Ruhe des Gemüts, ferner Trost in Widerwärtigkeitdes Kriegers): Cronegk (die Einsamkeiten); Schefer (1784—1862, Laien-Bey er, Deutsche Poetik. H.