Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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sich Helden^zu Göttern, so daß nicht selten Sagen zu Mythen und Mythenzu Sagen werden.

So ist Siegfried in den Nibelungen durch seine Verbindung mit histo-rischen Personen (Theodorich, Attila rc.) zu einer Art geschichtlicher, sagenhafterFigur geworden, obwohl er (nach Lachmanns Ausführungen) als Gott, dendie nordische Mythologie Balder nennt, dem Mythus angehört und nur durch ^

die Nationalsage vermenschlicht wurde. Bestimmte Poesien können ebenso alsSagen wie als Mythen aufgefaßt werden: als Mythen, wenn in ihnen ein mitgöttlicher Macht bekleidetes mythisches Wesen auftritt; als Sagen, wenn sie ge-schichtlich erscheinen, an einem bestimmten Ort spielen u. s. w.

Beispiele der Mythe.

Hugin und Munin, von Fr. Bodenstedt.

Dem Gott des Nordens, Odin, standEin Rabenpaar zur Seite,

Der eine Hugin zubenannt,

Und Munin hieß der zweite;

Es trug sie ihrer Flügel SchwungDurch alle Zeit und Schranke. —

Munin war die Erinnerung,

Und Hugin der Gedanke.

Treu wurde durch sein Rabenpaar

Dem Gott alltäglich Kunde, >

Was in der Welt geschehen war —

Daß er auf festem Grunde

Sein Reich gebaut, und alt und jung

In Treue niemals wanke,

Des freut ihn die Erinnerung,

Ergötzt ihn der Gedanke.

Und Odin herrschte lange ZeitIn ungetrübtem Glücke.

Das weckt des bösen Loke Neid;

Durch arge List und TückeLahmt er der Raben Flügelschwung,

Bannt sie in enge Schranke;

Da trübt sich die Erinnerung,

Empört sich der Gedanke!

Und sieh, es fühlt im eig'nen BlutOdin das Gift des Bösen,

Er will in seinem grimmen MutDie Raben nicht erlösen,

Daß sie, wie einst, ihr Flügelschwung '

Trage durch Zeit und Schranke - -Da quält ihn die Erinnerung,

Zernagt ihn der Gedanke!

In seinem Zorne will der GottDie Raben ganz zerstören,

Daß sie nicht länger, wie zum Spott,

Sich gegen ihn empören.