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höchste Blüte und Blume menschlicher Ausbildung." Ferner: „Eine kleineLegende wird mehr Psychologie, mehr Warnung, Rat und Trost enthalten, alsvielleicht ein ganzes System kalter Sittenlehren." Er stellt sich dadurch inWiderspruch mit Bischer, welcher der Legende (dieser „Spezialität des Mittel-alters", wie er sie nennt,) bleibenden poetischen Wert abspricht.
Man teilt die Legenden in ernste und komische. Erstere stellen inwürdiger Weise eine wunderbare, ernste Begebenheit dar, letztere dagegen führenentweder heitere humoristische Geschichten aus dem Leben eines Heiligen vor,oder suchen das Abergläubische, Unhaltbare einer erzählten Handlung, den Miß-brauch des Wunderglaubens zu Betrügereien nachzuweisen. Diese können zwarschalkhaft, humoristisch heiter sein, nie aber dürfen sie den frommen Glaubenverhöhnen. Man nennt die komischen Legenden (wie auch die komischen poetischenErzählungen) wohl auch Schwänke. Hauptsächlich in den letzteren spielt nichtselten der Teufel eine hervorragende Rolle. Er kann in jeder Erscheinung auf-treten, als betrogener, als dummer und als armer Teufel, wodurch er seinSchreckliches, Furchtbares verliert und zu einer erheiternden, komischen Figur wird.
Beispiele der Legende.
«. Ernste Legende.
Elisabeths Rosen, von Bechstein.
Sie stieg herab wie ein Engelbild,
Die heil'ge Elisabeth, fromm und mild,
Die Gaben spendende, hohe FrauVom Wartburg-Schloß auf die grüne Au.
Sie trägt ein Körbchen, es ist verhüllt,
Mit milden Gaben ist's vollgefüllt.
Schon harren die Armen am BergesfußAuf der Herrin freundlichen Liebesgruß.
So geht sie ruhig — doch Argwohn stahlDurch Verräters Mund sich zu dem Gemahl,
Und plötzlich tritt Ludwig ihr zürnend nahUnd fragt die Erschrock'ne: „Was trägst du da?"
„Herr, Blumen!" bebt's von den Lippen ihr,
„Ich will sie sehen! Zeige sie mir!" —
Wie des Grafen Hand das Körbchen enthüllt,
Mit duftenden Rosen ist's erfüllt.
Da wird das zürnende Wort gelähmt,
Vor der edlen Herrin steht er beschämt,
Vergebung erfleht von ihr sein Blick,
Vergebung lächelt sie sanft zurück.
Er geht und es fliegt ihres Auges StrahlFromm dankbar empor zu dem Himmelssaal.
Dann hat sie zum Thal sich herabgewandt,
Und die Armen gespeiset mit milder Hand.