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den neueren Zeiten in Häusern und auf der Gasse; 2. Sie erzähltirgend eine alte oder neuere Geschichte und ist somit der Bericht einergeschichtlichen Begebenheit, entsprechend jenem Ton, wie er im nordischenernsten Volkslied herrscht.
3. Der dem Norden entnommene Stoff verleiht der Ballade imGegensatz zur südlichen Romanze ihren ernsteren Charakter.
4. Die Ballade liebt den Ton des Volkslieds.
5. Wie die Volkslieder, so haben auch die Volksballaden vielgemeinsame Grundzüge, so entspringen sie wenigen einfachen Grund-thematen.
6. Die Ballade liebt Reimverse und kurze volksmäßige Strophen.
1. Man hat mehrfach (vgl. Diez bltvm. >V. L. 3. x. 49) den Namen
Ballade vom italienischen ballata (lmllars) hergeleitet, welches soviel alsTanzlied bedeutet und entweder von balln — Ballspiel stammt, oder vielleichtmit diesem vom griechischen — werfen (Ballspiel), was beides in die
Bedeutung Tanzen überging. Aus diesem Grunde wurde der Begriff Balladeallgemein als Lied entwickelt, welches so beschaffen sein müsse, daß man imAbsingen nach dem Rhythmus desselben tanzen könne. Nun ist aber diese Ab-leitung, welche in bezug auf Entstehung keinen Unterschied zwischen Balladeund Romanze zulassen würde, eine irrige. Vielmehr stammt das Wort nach-weislich von dem altbritischen, keltischen Zvaslavä (sprich rvallaä) und be-deutet Volkslied: also nordisches Volkslied, Gassenlied. DieserAbleitung begegnen wir auch bei Ebers, welcher Ballad als Gassenlied über-setzt. Vo kallsä heißt nach ihm Lieder machen, Lieder singen und »liulleäsingsr« ist ihm jemand, der Gassenlieder (Lieder auf der Straße) singt. DerVollständigkeit halber fügen wir noch einige andere Definitionen bei. Der alteNonin — Biber 1826 meint: ballnäe: esxsos ä'nnsienns possis kranyaiss(ungenau), giri stuit oompose äs 3 ooupksts pur lss meines rirnes etbsrininss pur le meine vsrs, uvso nn snvoi. Nach Abbe Gattel (Xon-vsg.u äiotiommire esxngnol st krun^uis sto.) ist Ballade eine französischeVersart bestehend aus Couplets mit einem Refrain (oomposition äs possinkrnneesa., c^ns se äiviäin sn ooplns son nn mismo sstribillo). Auchandere erklären Lulluäs für eine Art altfranzösischer Verse etwa von 3 Strophen,jede von 8 oder 10 Versen, deren letzter Vers allzeit einerlei sei (also Refrain)und wobei immer einerlei Reimsilben von 2, 3 oder 4 Reimen bleiben u. s. w.
2. Alle Balladen, die bei uns populär wurden, erzählen nur alte Ge-schichten. Dies war aber nicht immer so. Die heidnische Vorwelt des Nordenshatte — wie das christliche Mittelalter — ihre Barden und Sänger, welche auchdie Thaten ihrer Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit in Liedern feierten.Ganz ist diese Form der Ballade bei uns nicht ausgestorben; dies beweisendie Proben aus dem Befreiungskriege und namentlich aus dem letzten Kriege1870—71 (vgl. die S. 107 d. Bds. erwähnte Sammlung von Lipperheide).Da Deutschland zwischen Süden und Norden in der Mitte liegt, so kann esnicht fehlen, daß auch seine Volkslieder halb der Ballade halb der Romanze an-