Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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die Macht des Schicksals; ein vermeintes Unglück löst sich auf in Lust undFreude u. s. w. Was anders ist die poetische Erfindung unserer Halbdichtcrund Romanmacher, als Variation in der Komposition? Die Farben — ja auchdie Formen — sind wie im Kaleidoskop schon vorhanden. Einst können frei-lich auch die Variationen erschöpft werden, aber diese Erörterung liegt außerhalbmenschlicher Berechnung. Jemehr der Dichter darauf ausgebt, absonderliche Si-tuationen zu erfinden, umsomehr entfernt er sich von der Natur der ursprüng-lichen Nolkspoefie; pikante Situationen haben nur das Interesse der Neuheit.Die Volksballaden, welche über die Zeit den Sieg davon getragen haben, be-ruhen aus den allereinfachsten Verhältnissen.

6. Selbstverständlich muß der Balladendichter der deutschen Gegenwartsangbare Verse und Strophen bilden, wodurch ein Versmaß wie das des Hexa-meters von selbst ausgeschlossen ist. Am häufigsten findet man Jamben, miteingemischten, die Bewegung erleichternden Anapästen, ferner meist männlicheEndreime, wie Binnenreime neben Mtteration und Annomination. AußerdemTonmalerei zur Hervorbringung der großen Wirkung, was indes (vgl. die Bürg-schaft v. Schiller) auch für die Romanze gilt, welche nicht selten trochäischeVerse mit weiblichen Reimen hat. In der leichten dem Volksliede abgelauschtenAnwendung metrischer, sprachlicher Kunstmittel der Ballade liegt das Geheimnisihrer gewaltigen Wirkung (Beispiel: Lenore, von Bürger).

Beispiele der Ballade:

Der Wassermann (Herders Werke 16. Bd. S. 363).

„O Mutter, guten Rat mir leiht,

Wie soll ich bekommen das schöne Maid?"

Sie baut ihm ein Pferd von Wasser klar,

Und Zaum und Sattel von Sande gar.

» Sie kleidet ihn an zum Ritter fein,

So ritt er Marienkirchhof hinein.

Er band sein Pferd an die Kirchenthür.

Er ging um die Kirch' dreimal und vier.

Der Wassermann in die Kirch' ging ein,

Sie kamen um ihn, groß und klein.

Der Priester eben stand vorm Altar;

„Was kommt für ein blanker Ritter dar?"

Das schöne Mädchen lacht in sich:

„O wär der blanke Ritter für mich!"

Er trat über einen Stuhl und zwei:

„O Mädchen, gieb mir Wort und Treu."

Er trat über Stühle drei und vier:

„O schönes Mädchen, zieh' mit mir."

Das schöne Mädchen die Hand ihm reicht':

„Hier hast meine Treu', ich folg' dir leicht."