Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Aus dem Streite gebracht? —

Der er hilfreich vorhin gedacht,

Zu der nun kehrt' er zuband;Dahin, wo er die Jungfrau fand,Die ihre Nistel krank verließ,

Der er zum Kämpfer sich verhieß.Die zeigt' ihm die viel rechten Wege.

u. f. f.

S. 273. 8097. Herr Jwein fröhlich da sprach,Als er hörte und fach,

Daß alles Wohl ausschlug,

Und der Kummer den er trug,8108 . Daß er ein Ende sollte ha'n:„Fraue, ich habe mißgethan,

Und Gott weiß, das schmerzt michsehr.

Nun aber ist Sitte von jeher,

Daß man dem schuldigen Mann

Wie schwere Schuld er auch gewann.Wenn er bereut, vergebe u. s. f.

S. 274. 8237. Nun schaute Frau LuneteErhört all' ihre Gebete.

Wo beide, Mann und Weib8140. Haben Gut und gesunden Leib,Schönheit, Verstand und JugendOhne Fehl und Untugend, u. s. f.S. 276.8159. So mein' ich war Glück undFreude hie:

8160 . Doch erfuhr ich nicht, was oder wieMit beiden seit dem ergangen.

Ich konnte Kunde nicht erlangenVon dem ich diese Rede weiß;Trum kann ich Euch mit allem Fleiß8165. Nichts weiter sagen mehre,

Als Gott geb' uns Heil und Ehre.(Schluß des Epos.)

IV. Rolandslied (GMlilsnn Ilnlancli). Dieses älteste franzö-sische Epos hat seinen Namen von Roland, einem der 12 Paladine(Ritter) Karls des Großen, mit welchem Roland gegen die Arabernach Spanien zieht. Der Pfaffe Konrad hatte es in Reimpaarengeschrieben.

Um die unterworfenen Heiden zu prüfen, die das Christentum annehmenwollen, schickt Karl den Ganelon, der sich durch diese Sendung dem Tod geweihtglaubt, und der nun das Frankenheer aus Rache verrät. Karl zieht zurückund läßt arglos Roland als König in Spanien. Dieser wird überfallen undmit allen Franken getötet. Karl besiegt die Aufrührer, beklagt Roland undstraft den Verräter.

Das Epos kann als markantes litterarisches Denkmal für den Charakterder Zeit der ersten Kreuzzüge aufgefaßt werden. Die Liebe findet in demselbenkeinen Raum, — Roland erwähnt mit keiner Silbe seiner Geliebten, die dochbei der Nachricht von seinem Untergang tot niedersinkt; die Helden sind ebenGottesstreiter.

Wie kein anderes Epos trägt das Rolandslied seine Entstehung aus ver-schiedenen Volksliedern, sowie die Entlehnung und Verschmelzung verschiedenerZusammendichter an der Stirne, indem die Ansangsverse der einzelnen Strophen(Tiraden) eine Art Exposition des Inhalts dieser Strophen sind und im Eposje die Stellen bezeichnen, wo die Sänger ihre Sagen begannen. Die Strophen-form (Tirade, altfranzösisch laisss) besteht aus einer beliebigen Anzahl akata-lektischer, jambischer Quinare mit Assonanz. Jede Tirade bildet ein aus Expo-sition, anmutiger epischer Breite des Fortgangs und einer Art Refrain be-stehendes Teilganzes.

Der Pfaffe Konrad hat das Rolandslied (im 12. Jahrh.) für Heinrichden Löwen ins Deutsche übertragen. Ihm folgte im 13. Jahrhundert derStricker. In der Neuzeit hat es Ad. v. Keller (Altsranzös. Sagen 1839) undWill). Hertz (1861) in's Deutsche übersetzt. Eine gründlich erschöpfende Be-lehrung über Sage und Dichtung verdanken wir Will). Grimm. (Vgl. Einleitungzu seiner Ausgabe des UnolanätzZ bist 1838.)