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Martha besorgte den Topf voll wärmender Federn, und HannchenBettete drinnen die muntersten Küchlein, setzte das Huhn dannWieder aus's stillere Nest, sein Werk zu vollenden mit Treue.
Feierlich wurde der Topf in die wärmere Stube getragen,
Futter geholt und gestreut für die kleinen, beweglichen Gäste,
Und mit fröhlicher Sorge die weitere Pflege besprochen.
„Mutter, entschieden nun ist's!" rief plötzlich die Tochter dazwischen,
„Du nur gehest aus's Schloß; ich bleibe daheim bei den Küchlein.
„Stündlich bedürfen sie Futter, und stündlich entkriechen den Eiern„Ankömmlinge noch mehr; die dürfen zu lang in dem Neste„Ja nicht bleiben, denn sonst kann tot sie treten die Alte.
„Nein! ich wäre untröstlich, verlör' ich während des Schmausens„Solch' ein niedliches Tier! Drum, Mutter, zu Hause nur laß mich!
„Mir ist's besser, ich lasse das Schmausen! Antonien würd' ich„Schmerzlich vermissen, und — kurz, wie es scheint, will selber der Himmel,„Daß ich daheim hübsch bleib'; ich gehorche dem Winke des Himmels."
Während die Mutter erwägen noch wollte das Für und das Wider,
Holt' ihr Hannchen geschäftig herbei schon Kleider und Haube,
Half sie putzen, und trieb sie hinweg durch Bitten und Küsse.
Einsam blieb sie zurück, doch flüchtig enteilte die Zeit ihr u. s. f.
IV. Hermann und Dorothea, von Goethe. Hermann undDorothea (9 Gesänge in Hexametern) neigt sich zum großen Eposhin. Es wurde von Goethe bürgerliches Epos genannt, da ihm dieVerhältnisse des bürgerlichen Lebens zur Grundlage dienen.
Inhalt: Auf dem großen geschichtlichen Hintergrund der französischen Revo-lution führt der Dichter die schnell sich entfaltende Liebe eines BürgersohnS(Hermann) zu einem lieblichen Mädchen (Dorothea) vor, wobei er das gesundeBürgerlrben in Freud und Leid, in allen möglichen Lagen, in Haus und Hof,auf dem Felde und im Stalle w. anschaulich malt und ein naturwahres Lebens-bild entrollt.
Hermann, zu scheu, seine Liebe an Dorothea zu gestehen, ladet sie amBrunnen ein, Stütze seiner Mutter zu werden.
Hermanns Vater empfängt sie (zu ihrer Überraschung) als Braut desSohnes. Die Mutter vermittelt; der Pfarrer vollzieht die Verlobung.
Das Gedicht, ebenso ein reizendes Bild des Familienglückes, wie eineSchilderung des Strebens und Grämens der ganzen Menschheit, wird zugleichder Ausdruck des echt deutschen Sinnes. — Goethe sagt selbst in einem Briefean Schiller darüber: „Ich habe das rein Wesentliche der Existenz einer kleinendeutschen Stadt in dem epischen Tiegel von seinen Schlacken abzuscheiden gesuchtund zugleich die großen Bewegungen und Veränderungen des Welttheaters(die französische Revolution als historischer Hintergrund) aus einem kleinenSpiegel zurückzuwerfen getrachtet."
Wilhelm von Humboldt urteilt (Briefwechsel 1876. S. 39) über Hermannund Dorothea: „Das Epos allein umfaßt die ganze Menschheit, vereinigt