Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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§ 123. Das historische Epos (Heldenepos).

Man nennt es auch gern und vorzugsweise das heroische Epos,oder Heldengedicht, auch Epopöe, da es meist die Thaten eines geschicht-lichen Helden schildert, ohne Geschichtsschreibung sein zu wollen.

I. Das Schah-Nameh des Firdusi. Das Schah-Nameh desFirdusi ist seiner Absicht nach Königs- und Heldensage von der Zeitdes Darms Hystaspis bis zum Sturz der Sassaniden.

Mit dem Volksepos hat es das gemein, daß es seine Helden zu Halb-göttern mit übermenschlicher Kraft ausrüstet. Es zeigt den Kampf des iranischenHeldentums gegen die Mächte der Finsternis. Die verschiedenen Sagenkreiseder Könige und Herrscher ballen sich zu einem einzigen zusammen, in welchemsich das ganze Leben von Jahrhunderten konzentriert.

Das Schah-Nameh ist Heldenepos und zugleich eine Art mythischer Ge-schichte. Es fehlt im Schah-Nameh die Göttermaschinerie, die im Volkseposnicht vermißt wird. Die Einwirkung der Götter ist hier sekundär. Der Dichterhat sich dichterisch von seinem selbstlebenden Werk losgeschält und geht in ihmauf. Durch seine Phantasie hat er 37 Sagen und mehr zur Einheit verbunden.

Probe aus dem Schah-Nameh des Firdusi. (Übersetzt vonAd. Friedr. v. Schall. Vgl. Heldensagen des Firdusi. 3. Aufl. Stuttg. 1877.I. 129.)

1 .

Feridun verteilt das Reich an seine drei Söhne.

Schah Feridun beschloß, bei LebenszeitenZur Teilung seines weiten Reichs zu schreiten;

In Rum und Chawer und in Iran schied,

In Tschin und Turkestan er sein Gebiet.

Dem ersten seiner Söhne, Seim genannt,

Verlieh er Rum so wie das Abendland,

Und sendete, geleitet von den Besten

Des Heeres, ihn in jenes Reich nach Westen;

Selm stieg auf seinen Thronsitz, und sofortGehuldigt ward ihm von den Großen dort.

Tschin und der Turkomanen weite FlurGab Feridun dem zweiten Sohne Tur;

In die Gebiete, die ihm zugeteilt,

Zog Tur mit seinem Heere unvcrweiltUnd stieg, dort angekommen, stolzen Schritts,

Mit Pracht sich gürtend, auf den Hcrrschersitz;

Die Großen streuten Perlen ihm zu FüßenUnd säumten nicht, als König ihn zu grüßen.

An Jredsch endlich, seinen jüngsten Sohn,

Verlieh der Vater Irans hehren Thron,

Die Kriegervolk-durchstreisten Wüstenstriche,

So wie das Diadem, das königliche;

Wert hielt er ihn, daß er das Schwert empfingeMit samt dem Scepter und dem Siegelringe,