Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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o. Durch die mehr zufällige Wiedergabe des Geistes einerbestimmten Zeit und die dadurch bedingte geringere Bedeutungseines Helden.

Der Dichter des Volksepos giebt dem Jahrhundert seinen Ab- und Aus-druck; er dichtet als Organ seines Volks aus dem Geiste des Jahrhundertsheraus; der Dichter des Romans malt zwar auch sein Jahrhundert, aber diesesreflektiert nur nebenbei aus der Beleuchtung seines der Phantasie entstammtenoder geschichtlich zugestutzten Helden, der — wenn auch von ihm Weltbewegendeserzählt wird — doch nimmermehr das Überzeugende, Grandiose jener götter-gleichen, sagenhaften oder geschichtlichen Helden des heroischen Epos haben kann.

ä. Durch den Ausschluß des Wunderbaren. Die Wunderthatendes Volksepos erhalten durch das Eingreifen der Götter (Göttermaschinerie)lebensvolle Wirklichkeit, während Wunderthaten moderner menschlicher Roman-helden höchstens die Bedeutung von Romantik, von Abenteuern rc. erlangen.

s. Durch seine frei erfundenen Stoffe. Das Epos beanspruchteinen in der Sage vorhandenen oder einen historischen Stoff. Nur die ausälteren Epopöen hervorgegangenen Romane, sowie einzelne ihrem Einfluß zuzu-schreibende Originalromane früherer Zeit hatten sagenhaften Stoff. Der spätereRoman verließ das Stoffgebiet der Sage und des Wunderbaren und entlehnteseine Stoffe meist der Wirklichkeit und der Erfindung, welche sich an die Ge-schichte anlehnte, aus ihr schöpfte. Er nähert sich dem Epos, indem seine Per-sonen und Begebenheiten die Lokalfärbung eines bestimmten Landes und einergewissen Zeit an sich trugen (z. B. die der Kreuzzüge, des Faustrechts), oderindem die wesentlichen von der Phantasie erdachten Personen mit wirklichengeschichtlichen Personen verflochten wurden, wie dies in den halbhistvrischenRomanen von Walter Scott und seiner Nachahmer der Fall ist. Je mehr derRoman stofflich den Lokalton seines Jahrhunderts zum Ausdruck bringt, je mehrer in seinen Figuren das Leben eines Volkes oder einzelner Klaffen einer be-stimmten Zeit malt, je mehr er zum Zeit- und Kulturbild wird, desto näherstellt er sich dem Epos, desto mehr wird er im edlen Sinn das Prosa-Eposunserer Zeit genannt zu werden verdienen.

Z 128 . Verhältnis des Romans zum Drama.

1. Der Roman ist wie das Drama ein Kunstwerk; wenn auchin der Regel kein metrisches. Im Hinblick auf seine Disposition undseine poetischen Formgesetze, auf feinen künstlerischen Auf- und Ausbau,auf seine berechnete Motivierung, auf seine verständnisvolle Jneinander-fügung der Begebenheiten, auf Schürzung und Entwickelung des Knotensund anderes ist er dem Drama eng verwandt. (Vgl. ß 130.)

2. Der Roman muß wie das Drama ein bestimmtes Maß inder Ausdehnung einhalten.