Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Helden den letzteren unglücklich. Dasselbe ist in den Wahlverwandtschaftenvon Goethe der Fall, wo die Überschreitung allgemein gültiger Schranken Un-glück bringt. Dem in der Wirklichkeit ruhenden Roman steht im Gegensatzzu dem in der Sage wurzelnden Epos das ganze Gebiet des Komischen offen.Die für uns abgethanen Schelmen- und Gaunerromane waren ihrem Wesennach komisch. Der Verstand kann sich beim Ausbau solcher Romane ebensobethätigen, wie das Gefühl, weshalb sich Verstand und Gefühl in den Wider-sprüchen — in Laune und Spott, in Ironie und Humor — begegnen undden Roman n. zum humoristischen gestalten, (Beispiele: Paul de Korks humo-ristische Romane; Jean Pauls Romane; Jmmermanns Münchhausen; v. Winter-felds Onkel Sündenbock; v. Grabowskis Die fidele Säbeltasche; HackländersRomane; Ernst Ecksteins Die Gespenster von Varzin; ferner Reuter, Pieningn. a.) oder lr, zum satirischen (Beispiele: Cervantes' Don Ouijote, EduardMaria Öttingers Onkel Zebra; Walesrodes Unterthänige Reden; Voltairessatirische Romane); — oder o. zum sentimentalen (Beispiele: GoethesWerthers Leiden, Richardsons Clarissa, sowie I. 55).

3. Der Roman in Tagbuchsorm oder in Briefen, welch letztere meistlängere Dialoge oder Monologe sind, ist seinem Äußern nach dramatisch.

Er läßt sich rechtfertigen, wenn wenige Personen vorkommen, wie im ge-nannten Goetheschen Roman Werthers Leiden oder in Jakobis Eduard Alwilloder in Richardsons Pamela und Clarissa Harlowe oder in den Romanender Niederländerinnen Wolf und Deken oder dem 1881 erschienenen AusItalien von Graf Adelmann u. s. w.

Jeder Brief ist gewissermaßen die Hälfte eines Dialogs, dessen andereHälfte der Antwortsbrief bildet. Es dominiert das individuelle, lyrische Mo-ment, weshalb derartige Romane immer auch sentimentale oder empfindsamegenannt werden können. Da dem Schreibenden nur in den Mund gelegtwerden kann, was er selbst erlebt, so sehen wir in der Briefform immer nur,wie die Welt dem Schreibenden erscheint, nicht aber, wie sie sich in den Augender andern auSnimmt. So eignet sich die Briefform zur Zeichnung einesSeelenlebens, wie es besonders Goethe im Werther mit allem psychologischenDetail in ruhiger Weise entrollte; nicht aber eignet sich die Briefform für leb-hafte Handlung, für rasch sich abwickelnde Ereignisse und für dramatisches Hasten.Als bekanntere Beispiele des Romans in Briefen oder in Tagebuchform sindnoch erwähnenswert: Hölderlins Hyperion, Roman in Briefen; sowie Nathusius'Tagebuch eines armen Fräuleins u. a.

4. Im Allgemeinen ist es nicht so leicht, den Roman auf eine bestimmteStufe einzuschränken. Da er das ganze menschliche Dasein in allen Kreisenund Lebensverhältnifsen umfaßt, so hat man in Hinblick auf seinen Stoff undInhalt unterschieden:

u. Schäferromane, welche ähnliche Kreise wie die Idylle umschlopen. DerBegründer ist der Franzose Horrors ä'Orcks durch den Schäferroman Asträa1612. Beispiele: I 52 d und 54, ferner Neumarks b'rlarrrorr und Hsllr-iiorn u. a. Vgl. auch den bekannten Schäferroman Oalatsa von Osrvüirtss rc.

Beher, Teutsche Poetik. II. 24