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II. Der philosophische Roman nimmt Veranlassung, gewisse Ansichtenüber wissenschaftliche und künstlerische Gegenstände durch seine Charaktere auf-sprechen zu lassen, oder aber das Leben der gegenwärtigen Zeit mit Rücksichtauf die Zukunft zu malen. Dieses Raisonnement wird mehr oder wenigerim philosophischen Roman Hauptsache, da dieser Roman weniger des Heldenals des Raisonnements wegen geschrieben ist. Der philosophische Roman ver-einigt alle Formen, die wir als Tendenzromane betrachtet haben. (8 141.)
Bald sucht der philosophische Roman in religiösen Dingen Belehrung zugeben (Spinoza von Auerbach), bald Fragen der spekulativen Philosophie zuerörtern (Spinoza von Auerbach, sowie Fr. Fries' Julius und Evagoras);bald behandelt er die bessere Sitte (Jakobis Waldemar, ferner Al. v. Ungern-Sternbergs Paul); bald liefert er ein großes Kulturgemälde des Jahrhunderts(Gutzkows Die Ritter vom Geist); bald hat er ein pädagogisches Interesse(Gutzkows die Söhne Pestalozzis); bald dient er einer bestimmten Kunst, welchletztere Gattung des philosophischen Romans auch als Künstlerroman bezeichnetwird. Das Raisonnement desselben kann ins Bereich der dramatischen Kunstfallen (Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre, ferner Aug. Lewalds Theater-roman), ins Bereich der Malerei (Tiecks Sternbalds Wanderungen, HeinsesArdinghello), in das der Musik (Heinses Hildegard von Hohenthal, BrachvogelsFriedemanü Bach), u. s. w.
III. Der moderne Roman (Zeitroman). Der moderne Roman ist der.Roman der Gegenwart und heißt auch Zeitroman, sofern er das Bild derZeit und ihrer Sitten giebt. Der Zeitroman wurzelt im Erlebten, das ernicht gerade ideal darzustellen braucht. Er liebt freierfundene Stoffe, die erdem Geist und Inhalt der gegenwärtigen Kulturperiode entsprechend wählt.So schildert z. B. Samarow in Scepter und Kronen die Begebenheitenvon 1866, neben welchen er zwei Liebesgeschichten giebt. Er weiß seinenStoff (z. B. selbst durch Einführung in die Kabinette der Staatsmänner, durchBeimischung Napoleons und Eugeniens, durch Entrollung von Verschwörungen,Erzeugung dämonischen Schauders rc.) lebenswahr und anziehend zu gestalten.Spielhagens In Reih und Glied schildert die Lassallesche Arbeiterbewe-gung (Gutmann ist Lassalle, der romantische König ist Friedrich Wilhelm
IV. rc.), Auerbachs Auf der Höh' spiegelt bayerische Zustände unter Ludwig I.Brachvogels sämtliche Romane kann man als Zeitromane bezeichnen. Seinerster Roman war Friedemann Bach, von dem er sagt: „Ich habe inNarziß zu schildern versucht, wie ein solcher Charakter ist, im FriedemannBach dagegen, wie jeder unter ähnlichen Verhältnissen ein ähnlicher Charakterwerden kann." Im Trödler zeigt er mit Geschick und Kunst, wie nurdrei Dinge ewig bestehen und uns sicher zu Gottes Thron führen: treueLiebe, bescheidener Sinn und gute Thaten. Sein bedeutendster RomanEin neuer Falstaff führt aus, wie ein edler Charakter und großer Künstler