Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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heilen empfunden? .... Sein Tod selbst, welcher wenigstens meine Gerechtig-keitsliebe befriedigen sollte, unterhält noch meine Nemesis. Du bist wohlfeilweggekommen! denke ich: aber gut, daß es noch eine andere Gerechtigkeit giebt,als die poetische!" rc.

Vorzügliche Vertreter der Poet. Gerechtigkeit waren 1. Samuel Johnson,der s. Z. klassisch gebildete Shakespeare-Kritiker und Vorläufer der vonSiebenlist (a. a. O. 161) aufgezählten Antishakespeareomanen. 2. JuliusFrauenstädt und 3. Gottlieb Fichte, welch letzterer sich also vernehmen läßt:„Im Trauerspiele sind wir nicht eher befriedigt, bis wenigstens die Ehre desunschuldig Verfolgten gerettet und seine Unschuld anerkannt, der ungerechteVerfolger aber entlarvt ist und die gerechte Strafe erlitten hat, so angemessenes auch dem gewöhnlichen Laufe der Dinge sein mag, daß dies nicht geschehe;zum sichern Beweise, daß wir es nicht von uns erhalten können, dergleichenGegenstände, wie die Handlungen moralischer Wesen und ihre Folgen sind,bloß nach der Kausalität der Naturgesetze zu betrachten, sondern daß wir sienotwendig mit dem Begriffe des Rechtes vergleichen müssen. Wir sagen insolchen Fällen, das Stück sei nicht geendigt; und ebensowenig können wir beiVorfällen in der wirklichen Welt, wenn wir z. B. den Bösewicht im höchstenWohlstände, mit Ehre und Tugend gekrönt, oder den Tugendhaften verkannt,verfolgt und unter tausend Martern sterben sehen, uns befriedigen, wenn nunalles aus und der Schauplatz auf immer geschloffen sein soll. Unser Wohl-gefallen an dem, was recht ist, ist also keine bloße Billigung, sondern es istmit Interesse verbunden." (I. G. Fichte, Versuch einer Kritik aller Offenbarung1793, S. 48 ff.) Siebenlist (a. a. O. S. 161 ff.) weist nach, wie Schopen-hauer den „bausbackenen" Standpunkt besonders Fichtes bekämpft, indem erzugleich (a. a. O. 165) auszuführen versucht, daß sich auch Aristoteles im13. Kap. seiner Poetik im allgemeinen ablehnend gegen die poetische Gerech-tigkeit verhalte u. s. w.

Z 158. Eigenartiges in Ler Technik der Tragödie.

1. Die Tragödie als die gewaltigst wirkende und schwierigsteDichtungsgattung verlangt von ihrem Dichter das ernsteste Studium,die größte Darstellungsgabe und Menschenkenntnis. Hier bewährt sichder Ausspruch, daß der Gott der Dichtkunst zugleich derGott der Weisheit sei.

Alle im 8 20 ff. d. Bds. (S. 29—62) gegebenen Vorschriftensind auch für den Bau der Tragödie maßgebend. Besondere Beachtungerfordern jedoch außerdem noch:

u. der Stoff,

b. die Entwickelung der Handlung,

e. Sprache und Form der Tragödie.

a. Der Stoff. Die Tragödie lehnt sich bei der Wahl des Stoffesgern an den Mythus, an die Sage, an die Geschichte an. (Vgl. S. 37 d.