Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Aber ungebeugt fühlt er sich im Glauben an die glückverheißenden Ge-stirne; hoffnungsvoll zieht er in Eger ein, das sein Grab werden soll. Er-greifend wirkt das menschlich innige Fühlen Wallensteins. Angesichts der schlimmenKonstellation drängt sich ihm der Gedanke an die Vergänglichkeit auf. Erstellt Betrachtungen über den Tod des Max an. Diese Milde im Unglückergreift uns tief. Wir erkennen: Wallenstein ist ein Held, der ein menschlichesHerz hat, das wie das unserige empfindet, das des Lebens Lust und Leid zuerfassen vermag. Dies zeigt der Schluß der Tragödie, und dies sichert demHelden unsere herzlichste Anteilnahme an seinem Unglücke zu.

Trotz aller Warnungen geht er ruhig zu Bette. Wehmütig fühlen wirdie rührende Katastrophe, und es ergreift uns die Doppeldeutigkeit der so ab-sichtslos gesprochenen letzten Worte mit tragischer Gewalt: „Ich denke einenlangen Schlaf zu thun."

2. Die Gräfin Terzky. Sie ist eine hochverständige, klug berechnende,weltgewandte Frau. Sie redet sich ein, daß es ihrem Bruder um die KroneBöhmens zu thun sei, und weiß ihn durch alle Künste der Überredung dahinzu bringen, gegen den Kaiser in Aufwallung zu geraten und ihre Gedanken fürdie seinigen zu halten. Unermüdet ist sie den Plänen des Bruders zugethan;sie ist überall thätig und hat einen wesentlichen Anteil am Verhältnis desMax zu Thekla. Sie kann das tragische Ende des Bruders nicht überlebenund zeigt sich als eine wirkliche Heldin, die durch den Tod sühnt, was siedurch ihren Anteil an der Katastrophe verschuldete.

3. Max. Ein herrlicher, großangelegter Charakter voll Kraft, Unschuld undReinheit der Gesinnung, voll Milde, Freundschaft und Treue. Er erscheintwie ein guter Genius unter all den finstern Gestalten in Wallensteins unheil-bringender Umgebung. Ohne Falsch steht er den Machinationen seiner Um-gebung gegenüber da. Nicht einen Augenblick strauchelt er auf den Pfadender Wahrheit und des Rechts. Offenen Blicks tritt er an Wallenstein hinanund bietet alles auf, diesen zur Pflicht zurückzuführen. Wallenstein läßt ihnin sein Herz sehen und gesteht, daß es für ihn leider keine Wahl mehr gebe.Da trennt sich Max blutenden Herzens.

Es zeugt von der tiefsten Kenntnis des menschlichen Herzens, wie derDichter den Abschied des Max von der Thekla darstellt.

Diese Scene ist von einer wunderbaren Schönheit und Gewalt. Ausallen Versuchungen geht Max rein und siegreich hervor. Er läßt Thekla ent-scheiden und diese bestärkt ihn in der Treue gegen den Kaiser. Liebe undPflichtgefühl kämpfen den schwersten Kampf. Aber er folgt der Pflicht undgeht — in den Tod, den er im Kampf mit den Schweden findet.

4. Thekla. Eine ebenso bedeutende, ja, in vielen Stücken noch wunder-barere Figur ist Thekla. Sie ist unschuldig und wahr — wie Max. Dazuhat ihr die Natur die sanften Saiten des Herzens ihrer Mutter gegeben.Unverbildet aus der klösterlichen Erziehung hervorgegangen, ist sie tief empfäng-lich für die Liebe zu Max, der ihr ganzes Herz erfüllt. Sie gelobt Treueund übt sie; ja, sie beweist die Treue durch Aufopferung in Beantwortung