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(Schiller äußert über die Ansicht des Aristoteles bezüglich des Verhält-nisses des tragischen Dichters zum Geschichtschreiber in einem Briefe an Goethevom 5. Mai 1797: „Daß er in der Tragödie das Hauptgewicht in die Ver-knüpfung der Begebenheiten legt, heißt recht den Nagel auf den Kopf getroffen.Wie er die Poesie und Geschichte mit einander vergleicht und jener eine größereWahrheit als dieser zugesteht, das hat mich auch sehr von einem solchen Ver-standesmenschen erfreut.")
Sofern die historische Tragödie an Personen anknüpft, die als Träger derGeschichte bedeutungsvoll sind, so nennt man sie auch die heroische. Beispieleder historischen oder heroischen Tragödie sind: Schillers Wallenstein und seinFiesko, sowie Goethes Egmont, Werners Attila, Raupachs Nibelungenhort,Hebbels Nibelungen, Laubes Graf Essex, G. Büchners Dantons Tod, JuliusMosens Cola Rienzi, Nissels Die Florentiner, Eduard von Schenks Belisar,Gust. Freytags Die Fabier, R. Gisekes Kurfürst Moritz von Sachsen, Rud.v. Gottschalls Herzog Bernhard von Weimar, und sein Mazeppa rc., Alb.Lindners Die Bluthochzeit, G. zu Putlitz' Don Juan dÄustria, Aug. v. Maltitz'Hans Kohlhas, Bernh. Scholz' Hans Waldmann, R. Prölß' Katharina Howard,Grabbes Hohenstaufen rc. Hieher gehört auch die politische Tragödie Macchia-velli von Elise Schmidt, sowie Osw. Marbachs Manfred der Hohenstaufe; H.Friedrichs Servet; Roquette Die Protestanten in Salzburg: Emil Pirazzis Rienzider Tribun; Geibels Sophonisbe; P. Lohmanns Strafford rc.; Gregorovius' DerTod des Tiberius: Grosses Pnglinger rc.
IV. Ärgerliche Tragödien.
Es sind jene Tragödien, bei welchen Personen und Konflikte des bürger-lichen Lebens die Motive bilden. Der Philosoph des Pessimismus Schopen-hauer verhält sich der bürgerlichen Tragödie gegenüber mehr ablehnend alsanerkennend, wenn er auch (nach Kuhs Hebbelbiographie II 586) HebbelsMaria Magdalena in mancher Beziehung gelobt hat. Nach ihm müssen imTrauerspiele nur bedeutende, hochstehende, königliche, fürstliche Personen auftreten,deren Thun in's Große geht. Ebenso wie ein Lustspiel von Fürsten nicht leichtgelingen könne, weil ihr Thun in's Große gehe, so glücke auch das bürgerlicheTrauerspiel nicht leicht, denn das Leben su äeta-il sei fast immer Lustspiel,wenn es auch noch so verdrießlich sei. Die Unglücksfälle, welche eine bürger-liche Familie in Not und Verzweiflung setzen, seien in den Augen der Großenund Reichen meistens sehr geringfügig und durch menschliche Hülfe, ja, bisweilendurch eine Kleinigkeit zu beseitigen: solche Zuschauer können daher von ihnennicht tragisch erschüttert werden. Hingegen seien die Unglücksfälle der Großenund Mächtigen unbedingt furchtbar, auch keiner Abhülfe zugänglich, da Königedurch ihre eigene Macht sich helfen müßten oder untergehen. Dazu komme,daß der Fall von der Höhe am tiefsten sei; den bürgerlichen Personen fehlees demnach an Fallhöhe.
Dem gegenüber wendet der unparteiische Interpret Schopenhauers, Dr.Aug. Siebenlist (a. a. O. S. 64), mit Recht ein, daß es ein Gebiet im