Zweites Acruptttück.Keimverse.
I. Ubnngrn in allitterierenden und assanierenden Versen.
Z 17. Bildung allitterierender Verse.
1. Die Allitteration (Stabreim) ist die Wiederkehr gleicher An-fangsbuchstaben. Da sie zur symmetrischen Gliederung der poetischenGestaltungen verwendet wird, so muß sie — wie jeder Gleichklang —in ihrer Anwendung gesetzmäßig sein.
2. Sie darf nur die begrifflich bedeutenden Wörter — also nurdie Stammsilben — verbinden.
3. Nicht die Gleichheit beliebiger Wortanfänge ist also bei denallitterierenden Versen das Wesentliche, sondern der Umstand, daß diedurch den Gleichklang ausgezeichneten Silben auch in der Arsis stehenund den Begriffston tragen. Da somit nur die Hebungen allitterierendürfen, so sind Allitterationen wie Geld und Gemüt verwerflich, nichtaber Allitterationen wie Gedanke und Dienst.
4. Der Dichter muß streben, den Eindruck der sinnlich starkenHauptvorstellung wellenartig fortzuleiteu und zu erhalten durch Worte,welche dem Worte der Hauptvorstellung im Anfangsklange ähnlich sind.
5. Am Platze ist die Allitteration, wenn eine Grundvorstellungwie ein Echo über, die Verse hinüberklingen soll, wenn es sich also umplastisch anschauliche oder malerische Darstellung handelt. Allitterierenkönnen hierbei alle Konsonanten von gleichem Klang, wie z. B. dielabialen v, s, ph, pf, b, p, w.
6. Dem die Hauptvorstellung tragenden centralen Hauptstab stehenin der Regel zwei Liedstäbe (Stollen) gegenüber. Diese Stäbe habeninsgesamt die metrische Verbindung der Zeilen zu bewirken.