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Nottod. — Mich dauert künftige Todnot, —- drum komm' ich wie das Notbot
— und bau' aus einem Stücke — hinüber dir die Brücke. — Fürs Bauenin dieser hohen Region — verlang' ich einen geringen Lohn — von dir, ver-liebter Erdensohn, — der ich selbst bin der Kronlohn — und Thronlohn.
— So rief der Teufel im argen Hohn — (er wähnte sich als Sieger schon)
— indem hinzu er setzte — dies Letzte: — Es soll als Preis das zuerstüber die Brücke Strebende, — Lebende — sein das mir zu Gebende. —Willigst du ein, — so soll sogleich die Brücke fertig sein. — Der Hirte war'szufrieden; — da hört' er wieder die Reuß aufsieden. — Und mit Getöse
— verschwunden war der Böse. — Doch in der Luft (wie wunderbar!) —bot dem erstaunten Blick sich dar — vom Bergesrand — zur Uferwand --hinüber wie ein Seil gespannt — von keinem Menschen noch gekannt —gebaut aus riesigem Eisenstücke — die schwindelnd hohe Teufelsbrücke. - -
Der Hirte war nun katzenschlau, — fern blieb er lang dem Brückenbau,
— der war ihm gar zu Wasserblau. — Dann rief er: Um dem Liebesdiebe
— zu geben kräftige Liebeshiebe, — und zu begraben der Liebe Leid —nehm' ich mir Zeit. — Auf diesem Lebens-Raubbau, — dem höllischen Brücken-schaubau, — wär' als erstes Lebendes, — Hinüberstrebendes, — dem Teufelzu Gebendes — für all seinen Trug — auch eine Gemse genug. -— Nunbegab er sich auf die Jagd an den Bergesrand, — wo er wußte den Gemsen-stand. — Sieh doch! wie die Gemsen nach der Höhe zubringen, — undder Brücke zuspringen! — Und er mit seinem Bogen — laut rufend kamnachgezogen: — hei, Teufel, sei betrogen! — Kaum betrat eine Gemse dieBrücke, — so riß sie der Teufel in Stücke. — Dann fuhr der höllischeSchuft — durch die Luft — hinab in die wäss'rige Gruft. — Vor Ärger dieFluten schlagend, — und seinen Zorn mit sich tragend, — schwur er inschreckhafter Sprache — dem Hirten teuflische Rache. — Den andern Gemsenging es gut. — Da nahm sich auch der Hirte Mut. — Die Heiligen an-flehend zu seinem Glücke, — ging er ruhig über die Brücke — und rief: Vondiesem Steg — hinweg — eil' ich zu meinem Schatzplatz, — der soll mirwerden ein Schwatzplatz — und ein Schmatzplatz. — Er traf auch keinenLiebesdieb, — erspart blieb ihm der Liebeshieb. — Der Teufel hatte gelogen,
— drum war er jetzt betrogen. — Nun warb der Hirt' ohn Zeitaufwand —um seiner Allerliebsten Hand; — der Eltern Trotz er überwand, — baldschloß sich zweier Liebesband. — Die Liebste sprach mit holdem Mund: —Gott segne unsern HerzenSbund! — Ich liebte dich aus Herzensgrund — zujeder Stund. — Und er erwidert: Herzensstern, — dein dacht' ich immernah und fern, — in Appenzell wie in Luzern. — Könnt' ich dich meidenAugenstern? — Ich habe dich von Herzen gern, — du Frauenkern — undMinnestern! — Bald baute sich der Hirte ein Wirtshaus oder ein Schmaus-haus, — und als er gab den Hausschmaus, — dies merket meine Hörer,
— daß ihr nicht werdet Störer — oder gar Empörer: — da reizte michder Teufel, den Hirten zu bringen in Nöten — und den Schuldlosen zutöten. — Ich gönnt' ihm nicht sein Eheglück, — bald lockt' ich ihn zu dieser