leicht ist dies im Schönheitsgesühl begründet, welches eine gewisse Pro-portionalität der Hanptteile zu den Unterabteilungen verlangt.
Leider ist die Strophenlänge bei vielen Dichtern von der zufälligstenWillkür oder dem unwillkürlichsten Zufall abhängig. Alan merkt ihrerPlanlosigkeit gar bald an, daß sie über die Symmetrie der Strophenund deren architektonischen Ausbau nie nachgedacht haben.
6. Normen für die Zeilen- und Strophenlängen.
5. Im allgemeinen wird wohl hinsichtlich der Ausdehnung vonZeilen und Strophen Folgendes festzusetzen sein:
a. Bei größerer Ausbreitung des Stoffs, bei breiterer Anf-rollung der Gedanken, wie bei Darlegung eines reichen,ernsten Inhalts sind längere Zeilen und kürzere Strophenam Platze.
In Die Zeilenzahl der Strophe entspricht den Gruppen, inwelche der Stoff eingeteilt wird.c. Wenn die Kurzzeilen ohne rhythmischen Absatz zusammengelesen werden können, so daß mehrere derselben wie eineeinzige Zeile erscheinen, so ist eine längere Ausdehnung derStrophe bei Kurzzeilen wohl gerechtfertigt,ci. Im andern Fall ist die kurze Strophe berechtigt, wenn dieLangzeile mehrere Kurzzeilen vereinigt und in 2, 3 odergar 4 Teile (Zeilen) geschrieben werden könnte, wie diesbeispielsweise in Anastasius Grüns Antworten („Dichter,bleib' bei deinen Blumen! Nicht an Thronen frech gemei-stert"), oder in Platens „Nächtlich am Bnsento lispeln" oderin vielen Ghaselen Rückerts (vgl. z. B. S. 320 in ÖstlicheRosen, der Ausg. von 1822) ec. der Fall ist.
v. Platen scheint bei seinen doppelzeiligen Strophen von demSatze ausgegangen zu sein, daß sich das Ganze zum Hanptglied ver-halten müsse, wie das Hauptglied zu den Nebengliedern. Dies istjedenfalls zu beachten, denn es bedeutet die Anwendung des Gesetzesvorn goldenen Schnitt und der Proportionalität. lPoetik I, 84.)
III. Rhythmus und Keim bei den Strophen.
H.. Rhythmus.
1. Bezüglich des Rhythmus ist in der Praxis vorerst das einezu beachten, daß sich für lebhaftes frisches Fortschreiten der Jambuseignet: für eiliges Anfwärtsdrängen und Weiterjagen — also fürMarschlieder, Spottgedichte — der Anapäst; für elegisches Jnsichkehren,für Ernstes, Gemessenes, Beschauliches der Trochäus; für leidenschast-volles Reflektieren der Daktylus w. rc.