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Heut' bist du kalt und frostig im weiten Sturmesmeer,
Nur die Erinn'rung zaubert dich geistig zu mir her!
Sie malet freundlich wieder, was ich mit Schmerz entbehrt,
So ist mir auch im Meere ein Weihnachtsbaum beschert.
Einst war es dieser Abend, der viel des Schönen bot,
Des Herzens Freude malte mir beide Backen rot.
Heut' peitscht der Nord, der eis'ge, ins Angesicht die Flut,
Und färbet meine Wangen wie einst mit Purpurglut.
Einst winkte mir die Tanne, mit Gaben reich geschmückt,
Nach deren dunklen Zweigen ich sehnsuchtsvoll geblickt:
Heut' stehen nur drei Masten als Weihnachtsbäume da,
Und Silbcrstangen Eises verzieren jede Rah'.
Einst strahlten viele Lichter durchs dunkle Grün am Baum,
Heut' schimmern tausend Sterne im weiten Himmelsraum.
Mein Auge schaut zur Höhe so starr und unverrückt,
Wie es in meiner Jugend den Christbaum angeblickt.
> So hab' ich alles wieder, was ich mit Schmerz entbehrt.
So ist mir auch im Meere ein Weihnachtsbaum beschert.
Ausgabe 2. Vierzeilige neue Nibelungenstrophe ohne Mittel-reim und ohne Anapäst.
Graf Eberhard der Rauschebart.
Stoss. 1. Ist denn im Schwabenlande jeglicher Sang verschollen, 1wo doch dereinst die Ritterharfe vom Staufen niederklang? j Wenn aber derSang nicht verschollen ist, warum vergißt man, j die Waffenthaten der tapfernVäter zu rühmen? H 2. Man bildet leichte Liebchen und schreibt Sinngedichte, §man höhnt die holden Frauen, die doch sonst den Gegenstand des Liedes bil-deten; ! die Heldenstoffe, die längst ihres Sängers warten, I läßt man zurSeite liegen. H 3. So steige denn aus deinem Grabe, ^ du alter Rauschebart,mit deinem Heldensohne hervor. ^ Noch in deinen alten Tagen schlugst du dichmannhaft, § durchbrich mit Hellem Schwerterklang auch unsere Zeiten. H
Lösung. VonIL. Uhland.
Ist denn im Schwabenlande verschollen aller Sang, —
Wo einst so hell vom Staufen die Ritterharfe klang?
Und wenn er nicht verschollen, warum vergißt er ganzDer tapfern Väter Thaten, der alten Waffen Glanz?
Man lispelt leichte Liebchen, man spitzt manch Sinngedicht,
Man höhnt die holden Frauen, des alten Liedes Licht;