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Moderne Bearbeitungen der griechischen Tragiker. Mehrere Über-setzer der griechischen Tragiker haben (nach Schillers Vorgang, der die Jphigeniein Aulis und Scenen aus den Phönizierinnen des Euripides übertragen hat)eine Reproduktion der antiken Tragödie in modernen Versformen versucht: imDialog durch Einführung des Blankverses, in den lyrischen Partien durch dieWahl einfacherer, uns geläufiger Rhythmen teils mit, teils ohne Anwendungdes Reims. Es läßt sich nicht leugnen, daß der langatmige, jambische Tri-meter für unser Ohr, das sich an den leichten Fluß des englischen Versesgewöhnt hat, zumal in längerer Rede, etwas Schweres und Steifes, ja Un-natürliches hat, während durch die Vertanschung desselben mit dem kurzen jam-bischen Verse der Ton leichter und natürlicher wird. Ebenso bringen die infreierem Rhythmus nachgebildeten Chorgesänge einen ganz anderen Eindruckhervor, als die in das antike Versmaß, gezwängten, den Worten des Originals,mehr oder weniger sich nachschleppenden Perdolmetschungen, bei welchen wirnicht imstande sind, auch nur annähernd das zu fühlen, was die Griechenbeim Anhören ihrer Chorgcsänge empfunden haben mögen: schon deshalb nicht,weil uns Modernen die antike musikalische Begleitung fehlt. Um einen musi-kalischen Eindruck zu erzielen, muß man, wie Schiller gezeigt hat, denReim zu Hilfe nehmen. In dieser Weise sind die griechischen Tragiker ganzoder teilweise von Wilh. Jordan, C. Th. Gravenhorst, Oswald Marbach, AdolfWilbrandt, Theod. Kayser u. a. übertragen worden. W. Jordan (Sophokles)nnd Ad. Wilbrandt (Stücke aus Sophokles und Euripides) verzichten aufden Reim; letzterer hat überhaupt die Chorgesänge vielfach ganz frei umgestaltet.Oswald Marbach, der Übersetzer des Sophokles (1867), hat in neuesterZeit auch Äschylos' Tragödien meisterhaft übersetzt (1883). Nicht Worte, Verseund Vorstellungen, sondern Gedanken, Empfindungen und Charaktere suchte dergelehrte Dichter-Übersetzer treu wiederzugeben und neu zu beleben. TheodorKayser hat die beiden Ödipus und die Antigone des Sophokles, sowie dietaurische Jphigenie des Euripides ebenso mustergültig übersetzt (1878 fs.). DieseÜbertragungen stehen auf der Höhe der Übersetzungskunst: sie lesen sich wiedeutsche Original-Dichtungen und bleiben dabei doch dem griechischen Originaletreu. Geradezu bewundernswert ist die Kunst, mit welcher es Kayser in dendichterische Kraft beanspruchenden lyrischen Partien wie keinem seiner Vorgängergelang, durch gefällige Verschränkung der Reime, durch angemessenen Wechselvon längeren und kürzeren Versen, durch eine dem Inhalt entsprechende Mannig-faltigkeit der rhythmischen Bewegung alle Einförmigkeit zu vermeiden und einendem Original möglichst verwandten Eindruck hervorzurufen.
II. Römische Dichter.
Schon lange vor Boß und nachdem man die griechischen Maße übertragenund sich an griechischen Dichtern versucht hatte, wagte man sich auch an römische.Zu erwähnen ist zuerst und besonders der geniale Ramler. Dieser, vonLessing auch in Handhabung der Feile anerkannte Meister, hat zuerst die antikenBeyer, D. P. III. Die Technil der Dichtkunst. 13