Vorrede.
gem Vortheil; wo ja nicht in allen, doch in den mehrestenStücken, die er von ihr zu entlehnen bemüht seyn muß.
Ich meyne hier vornemlich dasjenige Kunststück, was .sonst allen Schafften gemein ist. Allwo ihm selbte dennzuerst die Art entdecket, wie eigentlich ein Haupt-Satznebst denen dazu erforderlichen Ausführungs-Sätzen zuerfinden. Dahin sind nun theils Dte Beweis- theils die ,Sittlichen, theils die Bewegungs-Grönde zu zehlen. So-dann lässet sie ihm nicht minder die Ordnung wissen, nachwelcher eine jegliche Rede einzurichten. Obwohl hssrbeyzu mercken,daß ein Poet sich nicht allemal (besonders m ,Heroischen Gedichten) so genau daran bindet. Das letzteaber und beste ist der Hand-Griff, den sie ihm annocb zuderen völligen Ausarbeitung zeiget. Und die bestehet kürz-lich darinnen, daß man nicht nur der Sprachen Reinig-keit und förmliche Zusammensetzung durch Rede-Sätze,sondern auch die Zierlichkeit der Wörter und reichlicheAusbildung der Sachen selber beobachtet. Endllch istdie Vers-Kunst noch übrig, deren dreyfaches Kunst-stück zwar meistentheils mit dem Rhetorischen überein-stimmt, aber hernach seine gantz besondere Regeln vomSylben -Maaß und vom Dicht-Werck hat: Und diß da-her, weilen die Poeten, so zu reden, ihre eigene Sprache ha-ben. Nur wird zu deren Erlernung auch eine langwierigeÜbung erfordert. Bloß zu dem Ende, damit man dierechte Mittel-Strasie hier nicht verfehle. Das heist mitwenigem so viel gesagt, daß man nach Beschaffenheit derUmstände weder zu hochtrabend, noch auch zu niederträch-tig schreibe. Zu einer so gemäßigten Schreib-Art aberwird, wie ich glaube, wohl niemand gelangen, der nicht da-bey mit einer guten Beurtheilungs-Krafft begäbet. Javon der lernet einer allererst, daß er ungezwungen und ohneängstliche Nachäffung anderer Poeten, mit einem Wort,nicht anders schreiben solle, als wie chin der Schnabel go-
wach-