Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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46 Geistliche Oden oder Lied er.

Beängstigt euch nicht vor der ZeitSchon um den andern Morgen!

Ein jeder Tag, das ist genug,

Bringt auch fein eignes Sorgen.

Lehre.

Der GDrr, der schon so lange ZeltSo reichlich Hauß gehalten,

Hört noch nicht aufsein Vater,AmeAuf Erden zu verwalten;

Er liebt, Erwacht, Er sorgt vor uns,Giebt früh- und späten Regen,

Und zeiget stets und überallEin Bild von seinem Sergen.

Die Vorsicht seiner GütigkeitIst gar nicht zu ergründen:

Ein Sperling sey so schlecht er will,

Er muß sein Körnchen finden;

Kein Haar fällt souder ihrem SchlußUnd Willen auf die Erde,

Was zweiffelst du, ob sie, o Mensch!

Auch dich ernähren werde?.

O laß, verzagtes Menschen-Kind,

Den ungegründten Kummer!

Der HErr und Hüt«: IsraelHat weder Schlaff noch Schlummer:

Er sieht und weiß wohl, was uns fehlt,

Und läßt uns fönst nichts fehlen,

Als das was wir aus UnverstandZu eignem Schaden wehten.

Dein Heerd und Tisch war eh bereisEh du zur Welt gebohren,

Und Orr und Stelle längst vor dirZur Wohnung auserkohren»