74 Geistliche O den oder Lieder.
Es kan des Nechften Fehler leiden,
Es dient ihm auch nach Möglichkeit,
Die Schwachheit hängt mir freylich amWo lebt ein gantz gerechter Mann?
Hilff du nur mir mich selbst bezwingen,
Und reiß mich mit Gewalt zu die!
Laß, was mir gut ist, wohl gelingen,
Vergeh ich mich, so wincke mir,
Und bringt auch dieses keine Frucht,
So nimm die Ruthe deiner Zucht.
Laß Heuchele und AberglaubenMir nienrahls den Verstand verdrehn!
Ein redlich Herhe von den Tauben,
Von Schlangen-Wih die List zu sehn,Womit die ungerechte WeltDem frömmsten Netz und Angel stellt.
Bekehre meinen Feind mit Güte,
Und laß mir keine Rachgier zu;
Halt Leib und Sinnen und GemütheGesund bey Kräfften und in Ruh,
Und beut mir mein bescheiden TheilFür guten Fleiß und Arbeit feil.
Gefällt es deinen Vorsichts-Schlüssen,
So gieb mir einen treuen Freund,
Der alles, doch auch mit Gewissen,
Mit mir, wie mir sich selber, meynt,
Und wenn sich Leid und Freude regt,
Die Helffre mit Vergnügung trägt.
So will ich dir mit treuem HertzenDie gantze Lebenszeit vertraun,
Und als ein Christ mit klugem SchertzmDas Elend dieses Lebens baun,
Bis daß der Tag, den du bestimmt,
Mir dieses, was verweßlich, nimmt.
xxxm