A2S
Weltliche Oden oder Lieder.
C1X.
M Leonoren bey dem andern
Abschiede.
g>U daurest mich, du allerliebstes Rind!
Du fühlst mein Weh, ich leide deine Schmertzen,Da Glück und Zeit so lange grausam sind,
Und mit dem Flehn getreuer Seelen schertzenzDu leidest viel, doch gieb der Treu Gehör!
Ich leide mehr.
Ich leide mehr, als jemand kan und glaubt,
Ich muß von dir, der Riß macht schwere Plagen;
Ich seh den Trost, den dir mein Abschied raubt,
So wird mein Hertz auch zweyfach wund geschlagen,Du liebest mich so wohl getreu als klugr
Das ist genug.
Das ist genug, die Unruh zu verstchn,
Die Lvrgen kränckt und mich in ihr verzehret;
Ach! solt ich bald davor zu Grabe gehn,
Ich würde wohl so hefftig nicht beschwehrer;
Wer weiß, was kommt? vielleicht beschliest der Tod
Die lange Noch.
Die lange Noch ist dennoch nicht so starck,
Uns, werther Schatz! dem Geiste nach zu trennen.Erwart ich mir statt deiner Schooß den Sarg,
So soll mir doch der Neid den Nach-Ruhm gönnen,Daß leicht kein Mensch so rein als ich geliebt,
Obgleich berrübr.
Obgleich betrübt, jedennoch unverzagt,
Der Himmel zürnt: wer will mit diesem zancken?Wohin mich auch mein hart Verhänqniß jagt,
Da bleibest Du ein Trost-Bild der Gedancken,
Wirst du mir nicht, so haß ich Lieb und Eh;
Nun Rind! ich geh.