Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Weltliche Oden oder Lieder. 527

Htm Rind! ich geh. Geh auch und nimm den Kuß,wir martern nur einander durch diß Letzen;

Ich zwinge mich den ungewissen Fuß,

Den du verweilst, GOtt weiß wohin? zu setzen;

Das Unglück stürmt, die Lästrer stimmen ein,

Ergieb dich drein!

Ergieb dich drein! es blitz auch nah und fern,

Ein schneller Wind kan leicht das Wetter ändern;

Mein Vaterland versagt mir Glück und Stern,

Diß blüht vielleicht in unbekandten Ländern:

Mein Fleiß ist froh, nur dich noch zu erhöhn,

viel auszustehn.

viel auszustehn und gleichwohl froh zu seyn,

Vermag kein Geist, den Lieb und Ruhm nicht ftärcken:Rind! gure Nacht! mein Anblick mehrt die Pein,

Ich kan die Angst an Färb und Sprache mercken,

Sieh mich noch an, und lebe wohl und sprich:

Du daurest mich.

ex.

An seine Levnore.

(^>Jer hast du nun den dritten Schwur,*cr Wodurch ich Himmel und NaturZu Zeugen unsers Bundes setze:

Bleib treu, getrost und achte nicht,

Wenn manche Läster-Zunge sticht,

Der falschen Freunde Mord-Geschwätze.

Das Glücke hält uns freylich auf,

.Doch laß ihm nur den faulen Lauf!

Es sucht fein langsam auszurasen;

So starck der Nord sich hören läßt,

So zärtlich wird auch bald der WestIn unsre Liebes-Flaggen blasen.

Die Welt» Lust zeigt mir nichts mehr an,Worein ich mich verlieben kan,

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