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Sätyren oder Straff-Gedichte.
Und was sie wohl geprüfft, und was sie selbst gesühlet,
In netter Sprach und Art der Nachwelt vorgespielet.
Diß ist allein der Grund, warum ich so viel Ze nUnd Wachen und Gevult der Poesie geweiht;
Nicht, daß ich mir dadurch das Brod erfiedeln wolte,
Nein! sondern daß sie mich zur Weißheit führen solle:
Und zwar durch so ein Gleiß, das angenehmer, blüht,
Als jen e rauhe Bahn, worauf der Stagirit,
Und Helmonk nnd Renar es um Den Vorrang wagen,
Wie Weiber, welche sich bey Leichen Beulen schlagen.
Sie churs, und führt mich auch, so daß mein stiller GeistDen herrlichsten Geschmack der Wcißhcits-Früchte speist,Die Maro und Homer in göldnen Schaalen bringen,
Und mit Verstand und Kunst in kluge Fabeln zwingen;
Allein erweg ich auch den mürrischen Verdruß,
Worunter ich den Verö recht mühsam schmieden muß,
So fehlt wohl offt nicht viel, ich macht' es wie die Bräute,
Und schmisse Crantzund Lust auf einmal nach der Seite:
Was koftets nicht vor Schweiß,svor Unruh, vor Gedult,Bevor uns die Natur den Einfluß ihrer HuldJn Geistund Feder fenckl? Was hat man nicht zu lecken,Wennunsre Ctarien nur Mißgeburten hecken ?
Man lanrek, sitzt und sinnt, verändert, schreibt, durchstreicht,SchmeißkSylbundReim herum,versetzt,verwirffr,vergleicht,Eh Wörter und Begriff so wahr als zierlich paffen,
Und in des Lesers Ohr ein gründlich Etwas lassen;
Doch wenn es unser Fleiß auch noch so schön gemeynt,
Und nachmahls vor der Welt mit Sorg und Furcht erscheint,So wird er offt so kahl und obenhin gelesen,
Als war es ein Gebet vom Habermann gewesen.
Kein Blick erreicht den Geist, der in Gedancken lebt;
Kein Mund entdeckt die Krafft, womit das Beywort strebt;Und niemand kennt noch schätzt die Ordnung im Verbinden,Da hundert gegencheils noch tausend Splitter finden.
Was hört'ich manchmahl nicht vor Thorheit oder Neid,Wenn ungefehr mein Kiel ein Tage-Werck verstreut 'IDa kriegt das Maul zu thun, da schwatzt ein Tisch voll Richter,Da schiert und foltert man den unbekandten Dichter;
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