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Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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4i0 Satyrm oder Seraff-Gedick^r.

Ja freylich! Schimpffdabeyl viel lernen, nichts behalten,Und, wenn es Redens gilt, die stummen Hände falten.Exempel lehren viel, diß Beyspiel fällt uns bey:

Wie nöthig der Vernunfft des Mundes Übung sey.

Die Wahrheit offenbahrt ihr Wesen in Veit Bildern,Gedanrken sind ihr Riß, die Zunge muß sie schildern;

Was nützt doch wohl ein Schah, der, sey er noch so groß,

Den Goldschmidt nicht besucht,und bloß des AbgrundsSchooßIm Finstern reicher macht? So viel als kluge Sachen,

Die im Gehirne stehn, und keinen Ausbruch machen.

Diß ist es, was der Rath des Schöpffers wohl verstund,

Und darum pflanht Er uns das Werckzeug in den Mund,Wodurch ein jeglicher Bewriß und Zeugniß giebet,

Wie weit er den Verstand und dessen Krafft geübet.

Hieraus begreifft man klar, mitwas vor Recht und Frucht,Obgleich der Mutter Haß die Kriege sonst verflucht,

Das Absetzn kiuaer Welt die Moden eingeführet,

Da mancher, der nunmehr sein Wissen recht verspüret,Mir>ervens Kampff-Platz sucht, gelehrten Gegnern steht,

Und seine Wissenschafft durch Streit und Zanck erhöht,Damit er, aber doch ohn alles Schul Geschwätze,

Die Weißheit, die er schützt, aufSieges-Bogen sitze.

Denn, wie, wenn Stein und Stahl einander kräfftig zwingt,Der Saamen kalter Gluth in lichte Funcken springt,

So pflegen Witz und Kunst, so bald sie friedlich ringen,

Diß, was verborgen liegt, an Licht und Luffr zu bringen;

Da sieht,dalernt man erst,wie viel man kan und weiß,

Da macht der kluge Feind der Sinnen Eyfer heiß,

Und zwingrden faulen Geist, den Ruhm und Ehre lencken,

Der Sachen Möglichkeit gewisser auszudencken.DieOrdnung geht voran und führt uns Schluß vor Schluß;Die Sprache fließt und rollt so lauter als ein Fluß,

Der über Wiesen schleicht, und wo er Klippen findet, '

Ohn Anstoß und Gewalt sich durch die Ritze windet.

Bald wird der erste Satz gecheilek, bald probirt,

Die Falschheit aufgedeckt, der Gegner überführt,

Die Meynung untersucht, das Vomrkheil verwiesen,

Und, wenn das Ende kommt, die Fertigkeit gepriesen;

Hier-

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