Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Satyren oder Straff-Gedichte. 427

Und wenn sich auch ein frey Geinükhe bald von Geburt an höher

sehnt,

So lehrt man solches doch wohl nichts, als ermann Hand und

Röcke falten,

Und läßt den angebohrnen Trieb bey Wäsche, Flachs und

Heerd erkalten.

So listigschüht sich eureTücke.Dmn lernten sie zu viel verstehn,

So habt ihr Furcht, sie möchten endlich mit Schluß und Den-

cken weiter gehn,

Das Crb-Rechl der Natur durchsetzn, die allgemeine Freyheit

finden,

Und diß von euch gestohlne Guth euch wieder aus den Händen

winden.

Man läßt. euch gern der Ordnung wegen das Schutz»Amt und

das Regiment,

Damit ihr uns und unsre Wohlfahrt in Fried und Ruh erhal-

ten könnt;

Diß Vorrecht habt ihrdmchVerrrag, nicht aber von Geburt

bekommen,

Durch die ihr jasogm, als wir, an Adams Schwachheit Theil

gerrommen.

Ich weiß, dein Beyfall, grosse Göttin! versiegelt, was ich

hieraesi'gt;

Nun aber höre, welcher Vorwurff das arme Volck am mei-sten plagt,

Und du, »Liebe! merckedrauf, wie viel ich deinetwegen leide!

Die Welt ist voller Unbestand, und wechselt plötzlich Angst und

Freude

In groß- in klein- in mittlern Ständen, vornehmlich aber in

der Eh,

Von der der Wahl-Spruch also lautet r Bald Sturm, bald

Stille, wiczurSee.

Der Anfang will zwar allemahl bm Rest der göldnen Jahre

zeigen,

Die Braut»Nacht ist ein Theil davon, da hängt der Himmel

voller Geigen;

Doch tritt man aus der Flitter-Woche, so kommt das Hauß-

Creutz nach und nach,

Und