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Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Satyren oder Straff-Gedichte. 441

ii, Den Vorhang der Verschwiegenheit. Begehrt ihr ja ein neu

Exempel,

h So seht aufRacondinenö Tugend, die als ein Phönix unsrer

Zeit

Bey so viel Hauß-und Wirrhschaffts-Sorgen dem Kummer

stets die Spitze beut;

« Sie hat auch wohl ihr heimlich Creutz und muß sich in viel

Köpffe richten,

n Sie pflegt, sie liebt den blöden Mann, den viele schwere Fälle

sichten;

h» Sie rächt sich an dem groben Neide mit Wohlthun h öfflich und

galant,

§ Weiß Groß- und Kleinen zu begegnen, und beut den Armen

Hülff'undHand,

ii. Und sucht dabey kein ander Lob, als Feind und Hertzen zu ge,

winnen,

« Und daher stöhrt ihr auch kein Gram die allzeit aufgeräumten

Sinnen.

i| So sprach die Rlugheir zum Beschlusse. Di-e Liebe setzte diß

noch bey:

» Folgt, Töchter, diesen göldncn Sprüchen,und seht hernach, wie

wohl euch sey,

i Die Frucht der Tugend und den Crantz aus meinem Schoosse

zu empfangen.

ii Zwo Seelen haben einen Wunsch, ein Hertz, ein Dencken, ein

Verlangen;

r , Sie sind zwo Saiten einer Laute, die Lust und Neigung gleich

gestimmt;

if Ihr Feuer zärtlicher Gemüther, das ohne Rauch und Ende

glimmt,

n Verblendet stets den scheelen Neid, und wirfft den Schatten-

aufdie Mängel,

»i Die eins am andern bald gewohnt. Er ist ihr Schatz, sie heißt

sein Engel.

li Streit, Argwohn, Eigennutz und Klagen streut keinen Mehl«

thau aufdie Frucht,

i- Die jedes auf des andern Lippen mir brünstiger Umarmung

sucht.

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