46o Salyren oder Strass-Gedichre.
Wenn sie,wieVärer chun,mit Ernst und Inbrunst wollen,Daß ihre Kinder sich beglückt vermählen sollen.
Die Schönheit des Gemüths, die wahre Frömmigkeit,
Die hast du bloß gesucht, dir hast du auch erfreyt;
Die Reitzung Delilens und Isebels GeschmeideSind doch nur Assen-Spiel bey Rahels Unschulds-Kleide.
Du fuchst und findest auch ein die selbst ähnlich Rind,
Die etwas mehr, als das, was Welt ist, lieb gewinnt.
Ihr Wandel gäbe zwar der Feder viele Proben,
Das anverwandte Blut verbeut mir dich zu loben.
Dich, liebste Schwester Bram! dich, der des Höchsten
Hand
Durch deinen Bräutigam ein Glücke zugewandt,
Das vielen unsrer Zeit so leichtlich nicht erscheinet,
Weil er es so mit dir wie mit sich selber meyner.
Gewiß ein solcher Kuß, den keusche Glurh erweckt,
Nach gleicher Frömmigkeit, nach gleicher Liebe schmeckt,Giebt einen Augenblick mehr Anmuth, mehr Ergehen,
Als die bechörre Welt mit ihren armen Schätzen.
Eh noch diePost davon mir in die Hände liess,
Gedacht ich schon vor dich an einem Neu-Jahrs-Brief,
Und sann, so wie du weist, daß wieGeschwister pflegen,
Nach brüderlicher Treu auf einen neuen Segen.
Der übereilt den Wunsch, indem dein Braut-Crantz
blüht,
Wo Treu nur Treu begehrt, und Liebe Liebe sieht,
Und diese Schwestern sich mit Frömmigkeit verbinden,
Da muß sich auch gewiß des Höchsten Güte finden.
Nun foverr zwar diß Fest ein Lied von meiner Pflicht:
Allein, vergnügtes paar ! verzeih, ich dichte nicht,
Und mag vom Helicon der abgeschmackten HeydenKein sündlich Lorbeer-Blat zu euren Myrrhen schneiden.
Wer flicht wohl Bilsen-Kraut in Roßmarine ein ?
Der Christen Lieb und Hertz muß ohne Flecken seyn.
Und zu der keuschen Glut der Venus Kohlen tragen,
Heißt sich mit fremdem Feur vor GOrres Antlitz wagen.'
Du hast, vergnügtes paar! die Frömmigkeit gesucht,
Wer klug und recht gesät, bekommt auch gute Frucht.
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