Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
JPEG-Download
 

47o _ Satyren oder Straff-Gsdichte.

Allein du siehst wohl ein, wie viel ich allzeit thu, , I

Und was vor Redlichkeitin meiner Feder ruh; I

Denn, daß ich dann und wann die Welt zu striegeln scheine, 1Das macht es, daß ich stets die nackte Wahrheit meyne,

Zumahl zu unsrer Zeit, in der der Hunds-Stern billt, t

Und Adams Blase fast beym Frauenzimmer gilt; . ti

Weil die Bequemlichkeit nicht eben haben wölke,

Daß manch galantes Kind im Schweiß ersauffen solle.

Die Lieb' und auch die Flöh sind offt von einer Art, I

Wer hier den Griff vergißt und kühne Finger spart,

Den trifft offt der Beweiß: Es hak sich nichts gefangen,

Daherwir offt ein Hoktz vor einen Hecht erlangen. '

Und diß erfuhr nechst Mops, der zu der Fraule kam, t

Den grossen - - an Statt des Hoffnungs-Anckrrs nahm, lUm, wenn es möglich wär,im Trüben viel zu fischen,

Allein, er muste sich die magre Gusche wischen;

Denn die, nach der er schoß, verlohr sich ohngefehr, iti

Und weil er öffrers schwur, wie günstig sie ihm war; |

So mußt er nach der Zeit das schnelle Schimpff-Wort hören: |

Der Herr bekommt sie wobt, jedoch sein Wort in Ehren, *

Koch löscht auch öffters Glut. Du weißt wohl, daß ich offt ^

Mehr, als ein junger Mann auf einen Sohn, gehofft,

Dir aufdm Ehren-Tag ein nettes Lied zu dichten; |

Jetzt muß ich meinen Reim in tausend Falten richten,'

Da theils Verwunderung, theils Wärme, theils Verdruß <

Den höchst- verwirrten Geist in Zügeln führen muß; c

Doch hab ich noch so viel in wichtigem Vermögen,

Daß, wenn auch die und die mich durch ein Jrr,Lichk zögen,

Mir gleichwohl jetzt der Werth von deiner lieben Braue, . fZeug, Zunder, Wissenschafftund alles anvertraut, 4 j

Was sonst die Poesie zum Pferde-Leihen brauchet:

Der wäre doch wohl toll, der, wenn die Jugend rauchet,

Und Blut und Ader springt, sich nicht der Zeit bedient. !Allein,wie schweiffich aus! indem dein Bram-Cranh grünt,

So blüht auch mein Parnaß; das heißt: Indem du liebest,

Und als ein andrer Marsder Venus dich ergiebest, >

Erhalt ich Krafft und Lust von weitem einzusehn, 1

Wir manches Wunderwerck auch unter uns geschehn, '

Und