Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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$3©_ Satyren oder Straff« Gedichte. _

O daß doch unrei^lns vor dich kein Tempel ist!

Auch Mecca würde kaum mehr Schätz und Opffer kriegen. !

Hier wolt' ich Augenblicks der nächste Priester seyn,

Nachdem ich endlich auch mein Wohl bedencken lerne, j

Und Laster ehren kan. Die Bibel flucht zwar drein;

Was schadets ? wenn ich nur mein zeitlich Creutz entferne.

Nelisco, und auch du, beleidigter Crispin, j

Nebst allen, denen ich bisher zu nah geschrieben,

Ich bitte, wolr ihr mehr, so will ich auch wohl knien, §

tzZergeßt die Niesewurtz, womit ich euch gerieben;

Es war ja nur ein Spaß und nicht so arg gemeynt: \

Man setzt gar offt ein Wort der lieben Reime wegen.

Ich schwör' euch bey der Flulb, die Glomphens Eh-Frau JES ist mein gantzer Ernst, die Wahrheit hin zu legen. (weint,

Geh Wahrheit,führ dich ab! geh Wahrheit schnell und fleuch l

So starck und weit von mir, als Steps von Ehr und Tugend!

Du bist ein nackter Balg; die Boßheit macht uns reich. |

Das glaubt'ich ehmahls nicht; allein das that die Jugend:

Denn hätt' ich diß gewußt, wie wolt' ich mich nicht blehn, [

Catheder und Altar mit langen Sammle kehren!

Ich könnte wohl vielleicht aus andern Augen sehn, E

Undwär das Glücke gut, ein Dorss voll Bauren scheeren.

Befehlt nur, wie ihr denckt; ichwill die Kohlen weiß, * jDie Stümper hochgelehrt, den schärffsten Frost ein Brennen,

Den Aberglauben fromm, die Nesseln Chrenpreiß, |

Und Danrens krummen Leib des Himmels Abriß nennen.

Serran lebt liederlich. O nein! er lebt nur frey; <

Und wenn erja noch säuffr, so trinckk er nur mit Massen;

Camistro ist verhurt; davor der Himmel sey! >

Er geht der Tugend nach, und liebt die Mittel-Strassen.

Rinochda schwatzt gelehrt, und schnitzen im Latein, l

Diß thut er nur mit Fleiß, er will kein Schul-Fuchs werden. j

Gelanor nimmt bald diß und bald was anders ein; >

Warum? die Wissenschafft ist Stückwerck aufder Erden.

Crispin, der brave Kopff, hält viel auf Müßiggang;

Das wird ja besser seyn, als etwas Böses üben.

Calandro beugt das Recht, und hebt des Bruders Rang;

Er handelt als ein Christ, man muß den Nechsten lieben.

Ach