Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Satyren oder Straff-Gedichte. 541

XI.

Bey der Winckle» und KistnerWen

Ehe-Verbindung.

i7l8.den25.Oct.

(YVli: fort, vergnügeeL paar! und laß dich nicht verstören,Jl SuchtBlumen aufderBrust/werfftFinger in denSchnee,Und Flammen in den Schooß und Seuffzcr in die Höh,

Laßt Zimmer,Hauß undWand diesanssten Schmähgen hören,Umarmt euch wie der Wein, der Ulm und Pfahl umschlingt,Küßt,jauchzet,lacht und spielt,verkriecht euch, hüpfft und springt,Laßt Lust und Sehnsucht aus, und jagt euch um die WetteMuSchenckeln,Mund und Hand durch Lager,Tisch undBette.

Wir sitzen unterdeß mit fest verschwornen Zungen,

Und sehn und spielen euch ein kurtzes Lied dazu;

Diß bringt ja hoffentlich die Lieb' aus keiner Ruh,

Die als ein starckes Kind euch aus euch selbst gezwungen.Mercur verführte dort den Araus durch den Thon,

Wir aber wissen längst, daß Cythereens SohnDurch keinen Floren Schal! das Spiel verhindern lasse,

Und ein für allemahldas Joch der Herrschaffc hasse.

Die Myrrhen, so du nimmst, erfordern Lorbeer-Aeste,

Das ist, dein Hochzeit-Tag begehrlder Musen Pflicht,

Die Dienst und Mode weiht. Wir wegern uns auch nicht,Wie erwann Clelia vor ihrem Kirchgang^ Feste.

Wer deinen Bund bedenckt, dem wird das Schreiben leicht,Weil deine Neigung uns genug Empfindung reicht,

Und deiner Würdigkeit vermahlkeTugeud-GabenZn unser fchläffrig Hertz den fcharffften Eindruck haben.

^ Man laufft sonst insgeMm aus blindem Wahn zusammett,

Und Flora, welche bloß nach langen Nasen wählt,

Und Chremes, der allein die güldnen Raben zählt,Entheiligen die Giur durch ungerechte Flammen.

Amindo, der die Brunst zum ersten Zwecke macht,

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