Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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- _ Brieft/

Ich habe meinen Kiel der Thorheit offt gelichn,

Und mancher Dogge schon an den EDlangeschrieben;

Die Sünde reut mich jetzt, so klein sie ehmais schien;

Doch bin ich stets ein Feind der Eitelkeit geblieben.

Dich unterscheiderlängst von solcher bösen ArtDie Andacht ohne Schein unddiß bescheidne Wesen,Wodurch dein kluger Schatz mit Recht gefesselt ward,

Bevor dich seine Wahl zur Liebsten auserlesen.

Hier kommt nun, wie du stehst, das nächst begehrte Lied,Duwirsts nicht nach Verdienst, nein! nur nachSanffrmuth

schätzen:

Ich weiß wohl, daß die Kunst darinnen mager sieht,

Doch mein Gehorsam mrynr, er könne drß ersehen.

X.

Der Unterscheid unter des Phcebus

Rohr und DavidS-Harffe.

^^Tdenck'auch nun einmal, getreue Poesie!

^ An Sachen,! i nicht so nachWelt unvThorheir schmecken,Und leide, daß m in Fuß dich von dem Wege zieh,

Aufwelchem Lust und Schein den Untergang verdecken.

Man rühmt dir allzeit nach, du seyst ein Himmels - Kind,

Gieb thätigen Beweiß dein Vaterland zu glauben!

Nachdem Geschmack, Geruch und Färb und Wirckung sind,Nachdem erfährt man auch den Boden reiffer Trauben.

Du hast der Eitelkeit so dienstbar aufgespielt, *

Viel Feuer angesteckt, manch schlüpffrig Lied geschrieben,

Und manchen reichen Thor, der sonst sich anders fühlt,

Durch Lob und Schmeicheley zum Hochmuth angetrieben;Die Sund ist zwar nicht klein, doch wird sie leicht verzieh»,Wenn Buss' und Besserung die Arbeit heilig machen:

Du must dein Saiten-Chor nach DavidS-Harffeziehn,

£> was bekommst du hier vor gross' und hohe Sachen!

Kein Maro, kein Homer, kein hoher kinösrusHarvor sein Helden.Lied soreich. und starcken Zunder,

Du brauchst nicht erst den Geist, der jene treiben muß,

Betracht und schätze nur des Höchsten Wer? und Wund«! -