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Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Briefe.

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Ich find' auch auf der Welt kein treuer Weib als dich:Wir müßten sonder uns das beste Leben hassen.

Da, wo ich dich nicht seh, da ist mir alles leer,

Und wenn es auch der Schwärm des größten Hofes wär.

Versuchte mich Eugen, und bäthe mir der KayserVor dich, du frommes Kin^! Gold,Thron und Purpur an,So spräch''ch, wie ich dir mit Wahrheit schwören kan:

Ich ehre. grosser Held! die welen Sieges-Reiser;

Ich weiß auch, grosser Carl! was Macht und Cronen sind,Behaltet, was ihr habt, und laßtmirnur mein Kind!

Gesegnet sey der Tag, gesegnet sey die Kammer,

Der unfern Bund gesehn, die unsern Kuß gehört ?

Wer jenen durch Verdruß, und die mit Fluch entehrt,

Dem mach'ein böses Weib den Ehstand voller Jammer.Gesegnet sey auch gar der Kummer und der Neid,

Der wegen deiner Gunst mir manchen Stoß verleiht!

O könnt'ich doch. mein Kind, in allen Sprachen dichten!

(So wünsch ich dann u. wann, wie einst Perrarchens Mund)So chät ich deinen Werth den meisten Ländern kund,

So ließ' ich jedes Volck von unsrer Liebe richten:

Die Klügsten würden sehn, wie zärtlich meine Treu,

Wie redlich meine Brust, wie rein dein Hertz« sey.

Ich thu, so viel ich kan, dein Denck- Mahl auszubreiten,

Um bey der späten Welt durch deinen Ruhm zu blühn:

Wie mancher wird noch Trost aus meinen Liedern zieh«!Wie manchen wird mein Vers zur süssen Regung leiten!

So merck' ich, wenn mein Mund der Alten Arbeit ließt,Daß unsre Liebe schon vor dem gewesen ist.

Was hat wohl unser Wunsch mehr auf der Welt zu suchen,Und welches Glück ist noch wohl un fers Neides werch?

. Wenn mir des Himmels Huld dich vollends ganh gewährt,So wüthe Feind und Groll, so mag der Spötter fluchen!Drey Dinge sind mein Trost: GOtt, Wiffenschafft und du,Bey diesen seh ich stets den Stürmen ruhig zu.

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