Briefe.
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Ich sah mich als ein Kind denWahrheits-Trieb schon leiten,Ich schwatzte durch die Nacht bey Schrifften alter Zeiten,
Die Musen nahmen mich der Mutter von der Hand,
Ich lernte nach und nach den Werth des Maro schätzen,
Und fraß fast vor Begier, was Wolff und Leiblich setzen,
Bey welchen ich den Kern der frommen Weißheit fand.
Dabey verschmäht ich auch kein äusserlich Vergnügen,
Die Liebe wußte mich recht künstlich zu besiegen,
So balo Anacreon in meinen Zunder bließ;
Ich dacht, es zöge mich nur bloß ein nectes SingenUnd war doch in der That ein zärtliches BezwingenDer süssen Eitelkeit, die ihre Macht bewieß.
Bey vielem Aergerniß und unter allen Sorgen,
Die mir noch ziemlich jung den Abend wie den MorgenMit Drohung und Gefahr empfindlich zugesatzl,
Verdarb ich gleichwohl nicht Gesellschaffk, Schertzund Küssen;Und manch vertrauter Freund wird offr noch sagen müssen;Wie freudig ihm mein Trost die Grillen ausgeschwatzt.
Allein es ändert sich die Scene meines Lebens.
Ach GOtl! wie ist es jetzt mit mir so gar vergebens!
Was seh ich zwischen mir und mir für Unterscheid:
Mein junges Feld-Geschrey bringt stumme Klage-Lieder,
Es keimt, es gährt bereits durch alle meine GliederDerSaame und das Gisst geerbter Sterblichkeit.
Die Geister sind verraucht, die Nerven leer und trocken,
Die Lufft will in der Brust, das Blut in Adern stocken,
Das Auge thränt und zieht die scharssen Strahlen ein.Das Ohr klingt fort und für und läutet mir zu Grabe,
Und da ich überall viel Todes-Zeichen habe,
So zagt dabey mein Hertz in ungemeiner Pein.
Nicht etwann, daß mein Fleisch die abgelegte BürdeAus Abscheu vor der Grufft zuletzt noch weibisch würbe,
Diß hab ich mir vorlängst bekandt und leicht gemacht,
Nur darum, daß mein Fleisch sich in der Blüthe neiget,