720
Briefe.
Ich stimme freudig an, es wallet Hertz und Blut;Erfindung, Einfall, Geistlauffr willig in die Reime,
Und Phöbus macht mirselbst die allersüßten Träume;
So bald es aber auch am besten fliesten soll,
Stockt Feder, Hand und,Sinn, die Zeile wird nicht voll.Da streitet dein Verdienst mit deinen DtmUths-Gaben,
Denn diese wollen Nacht, und jene Mittag haben»
Allein so sehr sich nun dein höchst-bescheidner Geist(So machts die Redlichkeit) dem, was ihn rühmt, en kreist,Und wie ein schlaues Wild sich ausden Schlingen windet,WoranderSchmeichletofftdie Eigen-Liebe bindet;
So strastbar würd es seyn, ohn Ehrfurcht und BemühnDein seltnes Ebenbild der Nachwelt zu entziehn;
Die, wenn sie dermaleinstvon unserm Sporcknichts wüste,Den grösten Tugend-Trieb zur Folge darben Müste.
Der Raum begreiffr dich nicht- Auf Charten wird die WeltSamr ihrem Hünmels-Hecr in kleinen dargestellt:Verjüngt auch hier mein Riß das Maaß der grossen Thaten,
Es spricht dir Haß und Neid viel Rang und Vorzug üö;Gedult! die Wahrheit lacht, Und kan wie Mosis StabDas Blendwerck und den Spott der Mißgunst leicht vck-
schlingen,
So künstlich sie versuche, dich in Verdacht zu bringen.
Dein durch des Vattrs Schwerdt erhobnes Graf mHüUßWarst schon bey der Geburcviel Hostnungs-Zeichen aus,Man sah die Munterkeit bey allen Kinder-DpieleNIn Zukunstt aufden Geistdes reisten Alters ziehlen-So wird des Adlers Art bey der Geburt erkannt,
So zeitig weisen sich Geschlecht und hoher Stand,
Wenn nemlich tapstres Blut der Kinder Stirne siegelt,
Und Willen und Verstand bey Zeiten aufwärts flügeit,
Des Fleisches Lüste dämpstt, das Hertz zur Tugend Neigt,Den Lastern aber stets nichts alsden Rückelr zeigt-Za wenn noch überdiß Gestalt samt Mund und MinenSo früh begierig thun, dem Nechsten gern zu dienen;
Diß ist der rechte Zweck der grosse Seelen hebt,
Und dem du noch sehr jung höchjl rühmlich nachgestyebk,
Daß
l
s
t
I
e
s
3