7-7
Briefe.
Du ziehst es unverhofft mit Liebes-Seüen vor,
Und crönest dich dadurch, wenn Kunst und Weichest steigen,Zm Anfthn aller Welt mir ewig-frischem Zweigen.
Wo bleibt die Sittjamkest, der krässiige Verstand,
Der überall sein Pfund nur Wucher angewandt ?
Dir Klugheit, welche sich in jeden Umstand findet,
Und auf die Redlichkeit des alten Deutschlands gründet?
Die Großmurh, die Gedult, der Eyfer vor dein Amt,
Die Kenntniß deiner selbst, die keiner leicht verdammt/
Die schnelle Langsamkeit im Rathen und Beschließen,
Die Feder und der Mund, so goldnen Nachdruck giessen,
Und dann auch die Person, die als ein Helden-BildDie Meynung des Virgil in unsrer Zeit erfüllt:
Die Tugend werffe da die angenehmsten Strahlen,
Wo Seele, Geist und Leib mit gleicher Schönheit prahlen.'Die Gegend, so dein Sitz des Sommers lustig macht,
Hat manchen alten Stamm und manche grüne Nacht,Und manchendunckeln Hayn der ehmalsheil'gen Eichen,
Und diese pfleg ich offt Dodonens zu vergleichen;
Was red' ich ? vorzuziehn. Dort schickt der Götter WortDes Aberglaubens Ohr mit dunckeln Sprüchen fort;
Da hier im Gegentheil die Wahrheit deutlich richtet,
So offcdein Mund den Zwist der Unterthanen schlichtet.
Du läßt Geringe vor, hörst selbst die Unschuld an.
Und widerlegst den Spruch, den Naso falsch gethan:
Daß Lieb und Ansetzn nie einander noch vertrügen;
Ein jeder dient dir ja mit Ehrfurcht und Vergnügen,
Aus Neigung, nicht aus Furcht; ja wen auch seine SchuldDurch dich bestraffen muß, der leidet mit Gedult,
Geht sonder Murren fort, und schämt sich im Gewissen-Dieweil er was versehn, das dich erzürnen müssen.
Du hältst dich nicht zu groß, so groß du immer bist,
Der Unterthanen Noth, so dir am Hertzen ist,
Mitleidig anzusehn, sie weißlich zu regieren,
Und das, was heilsam ist, bey ihnen einzuführen.
Dein Fuß macht Triffren fett, dein Auge düngt das Feld,Füllt Hauß und Boden voll, baut, bessert und erhältSchloß,Scheuer,Gärten,Wald, und sieht in Luffr und Teiches
8!« ■ ©«