Buch 
Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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Briefe.

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Ein allzeit frohes Hertz und so viel NochdurfftS-Gaben,

Als unser Leib bedarssund Leute nöthig haben,

Die Geist und Wissenschafft vom Pöbel scheiden soll;

Und wär' auch gleich mein Cad nicht stets gedrungen voll,

So ließ ich mir gleichwohl an Mäßigkeit begnügen,

Und wolle noch mit Lust auf Stroh und Säcken liegen.

Ein weiser ist schon reich, wenn Hunger, Hitz und FrostSein kluges Alter schont; er sieht des Hochmuths KostMit gleichen Augen»an,und lebt in armer StilleViel sichrer, als ein Fürst, derunrer Gold und FülleDie Freyheit darben muß. Dein Ruhm verbleibt mein Fleiß,So lang' ich Kiel und Hand und Mund zu rühren weiß;

Dein Name wird durch mich in Wort und Reimen steigen,Und durch mein künfftig Buch ein groß Exempel zeigen.

Der Schluß ist einmal fest r Der Mensch tritt auf und ab;Du, Herr! vergehst, wie ich, und wartest« aufein Grab,

Und must dem Leibe nach, GOtr laß es spät geschehen!

Mit Hoch- und Niedrigen des Todes Schatten sehen;Gleichwohl, erlaub' es mir,v ersprech'ich mir durch dichEin immer grünes Lob; die Blätter müssen sich(Diß kan der Phöbus thun) in Stein und Ertz verwandeln,Und allen, die, wie du, als Musen-Varer handeln,

Ein ewig Denck-Mahl baun; so kan Messala stehn:

Ja müst'ich heute noch zur frühen Baare gehn,

So ist diß Blat genung, der Eitelkeit zu sagen,

Ich sey vor deinen Ruhm bereits zu spät erschlagen.

«os ( o ) se»

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XIU.