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Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero herausgegebenen Gedichten / Auf das neue übersehen, und in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Mit einem Anhang und Register, Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschafften der Poesie, wie auch bey dieser Dritten Auflage mit des Autoris Leben vermehrt
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__ Briefe. _

Und dieses macht das Gisst von Evens Näscherey.

Seitdem der Apffel-Biß uns Fleisch und Blut verdorben,Und wir in Adams Fall der Freyheit abgestorben,

Ist unser Leben hier und Kranckseyn einerley.

m Wir tragen, ksts nicht wahr ? den Aussatz grober Sünden,

' Die Schlaffsucht läst sich offt im Christenthume finden,

ü Des Aergernisses Pest steckt allenthalben an;

Der Ehr-Geitz fühlt und liebt die Wind-Sucht im Gemüthe,ifc: Der Wollust heiser Brand entzündet das Geblüts,

V Won dem der dürre Geitz sich kaum mehr nehren kan.

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rE Dich also, Seligster! mit Wehmuch zu beweinen,

1 Könnt' etwann eher Neid als Pflicht und Liebe scheinen,

[f Du bist nun recht gesund und in ein Land versetzt,

In welchem nun nicht mehr Pest, Brand und andre Seuchen,

, Wie hier in Mesechs Klufft noch offt im Finstern schleichen,tz Und wo kein eitler Dunst dein Auge mehr verletzt.

? Gehört auch, wie man meynt, der Nachruhm zu dem Leben,

So wird auch dieser dir ein frisch Gedächtniß geben,

J Weil doch noch unter uns vielleicht ein Celsus ist,

^ Der deine Scheide-Kunst zur rechten Hand gebrauchet,

. Und, wenn ihm künfftig hin Capell und Ofen rauchet,

^ Bey seiner Arbeit dich mit Sehnsucht starck vermißt.

' Nur die, nur die allein verdient gerechte Zähren,,

, Die, deren Lieb' und Schmertz sich sehe stumm erklären,

Jf Und an der Hefftigkeit in gleichem Grade gehn;

^ Sie sitzt in Einsamkeit bey ihres Gartens Raube,

Ij Und seufzt und weint und girrt nach Arr der TurrestTaube,

$ Und ist sich ftlbst zu schwach den Kummer aus zu stehn.

A Kein Balsam Gileads, kein Pflaster hilfft den Wrrnden,

Die sie in ihrer Brust so starck und tieff empfunden.

Drum prahlen wir auch nicht mit viel Beredsamkeit;

4 Bedamen aber nur den Wunsch der Pariemen,zj, Die noch durch unsern Vogt mehr Hoffnung schöpffen könnten,

'& Und überlassen ihr den besten Trost; die Zeit.i Fff XLIV.