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Das Leiden eines Knaben : Novelle / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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oder zerstreut werden konnte. Die dreiste Muse Mo-lieres, die Zärtlichkeiten und Ohnmachten der Lavallisre,die kühne Haltung und die originellen Witzworte derMontespan und so manches Andere hatte seine Zeit ge-habt und war nun gründlich vorüber, welk wie eineverblaßte Tapete. Maßvoll und säst genügsam wie ergeworden, arbeitsam wie er immer gewesen, war derKönig auch bei einer die Schranke und das Halbdunkelliebenden Frau angelangt.

Dienstfertig, einschmeichelnd, unentbehrlich, dabeivoller Grazie trotz ihrer Jahre, hatte die Enkelin desAgrippa d'Aubignö einen lehrhaften Gouvernantenzug,eine Neigung, die Gewissen mit Autorität zu berathen,der sie in ihrem Saint-Cyr unter den Edelfräulein, diesie dort erzog, behaglich den Lauf ließ, die aber vordem Gebieter zu einem bescheidenen Sichanschmiegen anseine höhere Weisheit wurde. Dergestalt hatte, wannLudwig schwieg, auch sie ausgeredet, besonders wennetwa, wie heute, die junge Enkelfrau des Königs, dieSavoyardiu, das ergötzlichste Geschöpf von der Welt,das überallhin Leben und Gelächter brachte, mit ihrenKindereien und ihren trippelnden Schmeichelworten ausirgend einem Grunde wegblieb.