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über Hunderttausende durch ihre innere Ueberzeugungs-kraft. "
„Durch die Predigten des Pere Bourdalvue!" höhnteFagon mit gellender Stimme. Dann schwieg er. Ent-setzen starrte aus seinen Augen über diesen Gipfel derVerblendung, diese Mauer des Vorurtheils, diese gänz-liche Vernichtung der Wahrheit. Er betrachtete den Kö-nig und sein Weib eine Weile mit heimlichem Grauen.
„Sire, meine nicht," fuhr er fort, „daß ich Parteibin und das Blut meiner protestantischen Vorfahren ausmir spreche. Ich bin von einer ehrwürdigen Kircheabgefallen. Warum? Weil ich, Gott vorbehalten, vondem ich nicht lasse und der in meinen alten Tagen michnicht verlassen möge, über Religionen und Confessionensammt und sonders denke, wie sener lucrezische Vers..."
Weder der König noch Frau von Maintenon wußtenvon diesem Verse, aber sie konnten vermuthen, Fagonmeine nichts Frommes.
„Kennt Ihr den Tod meines Vaters, Sire?"flüsterte Fagon. „Er ist ein Geheimniß geblieben, aberEuch will ich es anvertrauen. Er war ein sanfter Mannund nährte sich, sein Weib und seine Kinder, derenletztes und sechstes ich Verwachsener war, in Auxerre
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