Band 
[Erster Band]
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trauen: besser, daß sie es sind als ich. Und ich würdees sehr sein, wenn ich mir ihre Erwartungen zum Gesetzmachen müßte. Nicht daß ihre Erwartungen sehr schwerzu erfüllen wären. Wirklich nicht! Ich würde sie viel-mehr sehr bequem finden, wenn sie sich mit meinen Ab-sichten nur besser vertragen wollten." Nur ist mit dieserironischen Abfertigung die Sache, um die es sich handelt,nicht aus der Welt geschafft.

Die ersten Stücke der Hamburger Dramaturgie kommenden durchaus gerechtfertigten Ansprüchen derer, die eineTheaterkritik lesen, entgegen; erst später, als Lessing diefrische Theilnahme an der Bühne verlor, der Streit mitKlotz über „geschnittene Steine" ihn zu erregen und zubeschäftigen anfing, trat die „schwerfällige Untersuchung",um sein eigenes Wort anzuwenden, in den Vordergrund:die Dramaturgie richtete sich fortan nur an die Kenner,an die Dichter. Braucht es bewiesen zu werden, daß eineTheaterkritik dieser Art weder im Stande ist, die Massedes Publikums aufzuklären und seinen Geschmack zu bilden,noch den Fortschritt und die Entwickelung der besonderenBühne, von der sie doch ausgeht, zu fördern? Schon im25. Stück, bei der Beurtheilung der Aufführung des „Essex"von Thomas Corneille (4. Juni 1767) hörte Lessing auf,die Schauspieler zu kritisiren; er hatte diese Kritik auchbis dahin nur mäßig geübt und nach seiner Eigenthüm-lichkeit mehr das Wesen der darstellenden Kunst überhaupt,als die individuelle Leistung des Einzelnen ins Auge ge-faßt: wir erfahren z. B. aus der Dramaturgie nicht ein-mal, welche Künstlerin die Semiramis, welche die Zairegespielt hat. Später aber fallen selbst diese flüchtigen An-deutungen fort, es wird nicht die aufgeführte „Merope",