Montag, den 12. Mai 1862: Ein toller Tag, oder:Figaro's Hochzeit. Lustspiel in fünf Aufzügen vonBeaumarchais, für die deutsche Bühne neu übersetzt und be-arbeitet von Kranz Dingelstedt.
Eines Abends, es war am 26. Mai 1782, erschienin den Gemächern des Großfürsten Paul von Rußlandund seiner Gemahlin, die damals, unter dem Namen einesGrafen und einer Gräfin „des Nordens", in durchsichtigemJncognito in Paris verweilten, einer wiederholten Ein-ladung folgend, ein schon leidlich bekannter, vielbelobterund vielgescholtener Mann, ein Fünfziger, Caron deBeaumarchais. Eine der Damen der Großfürstin, dieBaronin von Oberkirch, hat uns den Eindruck geschildert,den der Dichter auf sie und vermuthlich aus die ganze er-lauchte Gesellschaft machte. „Sein offenes, hübsches, geist-volles, ein wenig keckes und herausforderndes Gesicht gefielmir; er mag ein Abenteurer sein, aber er hat einen er-findungsreichen Geist, einen erprobten Muth, einen Willen,den nichts aufhalten kann."
Und in Wahrheit, für seine fünfzig Jahre hat dieserBeaumarchais schon genug erlebt und die buntesten Schicksals-wechsel erfahren. Der Sohn eines Pariser Uhrmachers,hat er Anfangs das Handwerk seines Vaters gelernt, da-neben: „die Harfe zu spielen". Im Harfenspiel gab erden Töchtern Ludwig's XV. Unterricht; an ihm hat esnicht gelegen, wenn es ihm mit den frommen Prinzessinnen,von denen später eine den Schleier nahm, nicht so glückenwollte, wie seinem Pagen Cherubin mit der Gräfin