Band 
[Erster Band]
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zösischen Dramen. Augier, Sardou und Alexander Dumashaben, sollte man meinen, diesen Stoff gründlich erschöpft,mit einer Fülle der Einzelheiten, mit so kecken und derbenPinselstrichen, daß unser deutsches Gefühl — es mag einwenig altjüngferlich empfinden — mehr als einmal davonverletzt wird, aber diesen Schriftstellern gelingt es, einwahres Lebensbild zu geben, uns in Mitleidenschaft zuziehen, uns aufzuregen. Sie erreichen diese Wirkung, in-dem sie das Laster nicht im fünften Akte mit erlogenerTugendröthe schmücken und aus Schurken edle Menschenmachen. „Teufelswerk" hat Voltaire einmal im Scherzdas Schauspiel genannt. Wenn jemals Dramen diesenNamen verdienten, so sind es die Werke der Dichterdes zweiten Kaiserreichs. Die reinliche Seele OctaveFeuillet's erschrak vor der Sünde einer Magdalena, vorden betrügerischen Geldspeculationen eines Mercadet inBalzac's meisterhafter Komödie: wo bleibt die ewige Ge-rechtigkeit? mag er sich gefragt haben und, da er alsDichter über seine Geschöpfe unumschränkte Gewalt besitzt,läßt er sie in der letzten Scene bereuen, was sie Jahrelang ohne Gewissensbisse geübt. In „Rädemption" wirdeine sittenlose Schauspielerin aus Liebe die ehrliche Fraueines ehrlichen Mannes, in „Montjoye" einer der häßlich-sten und selbstsüchtigsten Menschen, die je über die Bühnegeschritten, nach der Schlacht bei Magenta, als er dasSchlachtfeld gesehen, zu einem liebenswürdigen alten Herrnaus einem Kotzebue'schen Rührstück. Die Gesinnungs-losigkeit verbindet sich mit der fadenscheinigsten Senti-mentalität; ein Veilchenstrauß, den ihm seine Tochter anjedem Morgen gleichsam als einen Talisman in dasKnopfloch zu stecken pflegte, bringt den Sünder Montjoye