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Kritik, weil diese nicht das ganze Material kennt, dasjenen zu Gebote steht, zwei allgemeine Bemerkungen wer-den indeß gestattet sein.
Einen Einfluß aus die Bühne, sei es auch nur denSchatten eines Einflusses, hat der Schillerpreis bishernicht geübt. Das reale Theater — ich meine die Bühneder Gegenwart, wie sie ist, ün Gegensatz zu der idealen,wie sie sein sollte, an die alle dramatischen Dichter nacheiner Niederlage appelliren — hat sich nm das besteDrama so wenig gekümmert, daß es z. B. hier in Berlindie „Nibelungen" zehnmal und „die zärtlichen Verwandten"von Benedix in einem Jahre vierzig Mal aufgeführt hallDiese Zahlen, werden die tragischen Dichter entrüstet aus-rufen, beweisen doch nur den schlechten, gesunkenen Ge-schmack des Publikums. Schade nur, daß die Bühne ausdas Publikum und nicht auf die Aesthetiker angewiesenist! Aber auch in der höheren dramatischen Productionhat der Preis, wie man doch annehmen durfte, keinfrischeres Leben, keinen Wettkamps der großen Talenteerzeugt. Lange vor dem Preise schon war Hebbel einhervorragender dramatischer Dichter; dem Dichter der„Journalisten" Gustav Freytag kann es wenig verschlagen,daß sein Trauerspiel „Die Fabier" nicht gekrönt wurde:er lebt trotzdem auf allen deutschen Bühnen. Die hoch-herzige Absicht des Stifters, den würdigen Zweck, den erim Auge hat — wer, der die Kunst liebt, würde sie nichtfreudig anerkennen? Aber die Bedingungen des literarischenund künstlerischen Lebens und Strebens sind jetzt derart,daß ihnen nicht mehr durch Ertheilung von Preisen, durchPreisausschreibungen und goldene Medaillen wirklicherNutzen, wahre Förderung zu leisten ist.